Merkzettel: Kant – der freie Wille

Kant gründet seine Version eines Gesellschaftsvertrags auf die Vernunft und den autonomen Willen. Die Vernunft steht nicht zur Diskussion. Der Mensch ist vernünftig! Daran gibt es nichts zu zweifeln. Die Vernunft kann und muss eingesetzt werden. Sie kann eingesetzt werden, wenn die politischen Verhältnisse den Gebrauch der Vernunft erlauben. Die Vernunft muss eingesetzt werden, um aus der Unmündigkeit herauszukommen. Die Autonomie wird ebenfalls nicht bezweifelt. Autonomie ist eine Grundannahme des aufgeklärten Bürgers.

Merke: Die Leistungsfähigkeit der Vernunft wird nicht weiter diskutiert. Das hat Kant in seinen Hauptwerken bereits erledigt. Die Autonomie des Willens ist keine Frage des Könnens, sondern eine Frage des Wollens. Der aufgeklärte Bürger kann und will autonom und vernünftig handeln.

Freiheit
Freiheit – Quelle: sasint, Pixabay

Der autonome Wille soll Gesetze herstellen, denen die Bürger gehorchen wollen und können. Moral ist also Menschenwerk. Nun muss also geklärt werden, wie der autonome Wille mittels der Vernunft Gesetze macht, aber dennoch nicht willkürlich handelt. Denn: Natürlich kann sich der autonome Wille Gesetze geben, die er selbst befolgen will. Aber ungeklärt ist doch, ob alle Menschen diese Gesetze wollen. Der Wille soll also autonom Gesetze finden, denen alle Bürger freiwillig folgen.

Merke: Der freie Wille soll autonom Gesetze machen, denen alle Bürger freiwillig ohne Zwang Folgen können.

Kant diskutiert zunächst negative und positive Freiheit. Negative Freiheit ist Freiheit von äußeren Zwängen. Diese politische Freiheit ist die Forderung der Bürger, ihre Meinung frei äußern zu können. Positive Freiheit ist, sich Gesetze zu geben, denen man freiwillig folgt.
Nun muss noch ausgeschlossen werden, dass nicht mehrheitsfähige Kollektivmeinungen zu Gesetzen werden. Der autonome, freie Wille muss vor Willkür geschützt werden. Die Regeln, nach denen der freie Wille funktioniert, dürfen daher nicht fremd-gesetzlich (hetoronom) sein. Ein Wille, der heteronom funktioniert, ist nicht autonom. Die Autonomie zeigt sich darin, dass sich der freie Wille Gesetze gibt, denen alle Bürger zustimmen können. Nur dann kann ein freier Wille auch ein guter Wille sein.

Merke: Der aufgeklärte Bürger braucht negative und positive Freiheit. Negative Freiheit erlaubt die autonome politische Meinungsäußerung. Positive Freiheit schafft Gesetze, die von allen Bürgern akzeptiert werden.

Nun muss noch erklärt werden, wie der freie Wille die Gesetze herstellt. Das geht nur mit einem Gedankenexperiment. Die Gesetze, die hergestellt werden, müssen getestet werden, ob sie nicht in sich widersprüchlich sind. Beispiel: Wer sich Geld leiht, der muss es auch zurückzahlen. Es kann also nicht sein, dass jemand sich Geld leiht und gleichzeitig weiß, dass er das Geld nicht zurückzahlen wird. Jede Moral, jedes Gesetz muss sich an diesen Anforderungen messen. Kant nennt das den kategorischen Imperativ.

Merke: Normen, Gesetze müssen getestet werden und dem kategorischen Imperativ genügen.

Der autonome Wille handelt aber nicht automatisch. Der Bürger handelt vielmehr aus Pflicht. Kant unterscheidet hier das pflichtgemäße Handeln und das Handeln aus Pflicht. Außerdem macht er einen Unterschied zwischen dem kategorischen und dem hypothetischen Imperativ.
Pflichtgemäßes Handeln orientiert sich an den Folgen des Handelns. Beispiel: Ein Kaufmann betrügt seine Kunden nur deshalb nicht, weil er die negativen Folgen befürchtet. Aus Pflicht handelt er aber, weil er sich ungeachtet der Folgen so entscheidet, weil sein Handeln dem kategorischen Imperativ entspricht.
Hypothetische Imperative bestimmen zwar unser Leben, aber wir müssen ihnen nur bedingt folgen. Beispiel: Wenn ich professioneller Pianist sein will, dann muss ich täglich üben. Diesem Wenn-Dann-Befehl muss ich nur dann folgen, wenn ich professioneller Pianist sein will.

Merke: Moralisch handeln ist immer Handeln aus Pflicht und folgt freiwillig den Forderungen des kategorischen Imperativs.

Kant sichert moralisches Handeln aber noch zusätzlich ab. Neben der Maxime (oberste Regel) des kategorischen Imperativs gibt es noch die Maxime: Der Mensch ist immer Zweck des Handelns, er ist nie das Mittel.

tmd.

Merkzettel: Thomas Hobbes

equality
Gleichheit – Quelle: Wokandapix, Pixabay

Der Mensch ist grundsätzlich egoistisch und gewaltbereit. Sein Ziel ist es, sich alles anzueignen, was er haben will. Er ist gierig. Hat er einen Wunsch befriedigt, wartet sofort der nächste Wunsch. Soweit Hobbes über den Menschen im Naturzustand.
Der Naturzustand ist ein Gedankenexperiment. Hier wird erzählt, wie sich der Mensch ohne Gesetzte und Ordnungsmacht verhält. Es ist der „Krieg aller gegen alle“. Dieser Zustand ist also eine Fiktion. Der Naturzustand soll illustrieren, wie der Mensch von Natur aus ist. Hier kann er seine natürlichen Rechte ausleben. Der Naturzustand zeigt auch, dass sich aus den Naturrechten (Freiheit, Gleichheit) ohne Zuhilfenahme der Vernunft keine politische Ordnung entwickeln lässt.

Mit Vernunft kann der Mensch die Naturgesetze ermitteln. Naturgesetze sind keine physikalischen Gesetze. Naturgesetze sind von der Vernunft ermittelte Vorschriften wie:

  • jeder Mensch hat einen Selbsterhaltungstrieb;
  • geschlossene Verträge soll man halten;
  • für einem Friedenszustand sollen alle die gleichen Rechte haben.

Diese von der Vernunft erkannten Vorschriften (Naturgesetze) können die Bürger für einen Vertrag weiterverwenden: Das ist der Gesellschaftsvertrag. Der Gesellschaftsvertrag wird zwischen allen Bürgern eines Staates geschlossen. Ziel ist es, den Naturzustand mit dem „Krieg aller gegen alle“ zu beenden.

Im Gesellschaftsvertrag geben die Menschen ihr Recht ab, sich alles, was sie wollen, auch gegen den Willen der Mitmenschen anzueignen. Der Vertrag sorgt dafür, dass der Staat – als abstrakter Herrscher – für die Einhaltung des Gesellschaftsvertrags sorgt. Der Vertrag gibt den Menschen Sicherheit. Dafür opfern sie einen erheblichen Teil ihrer Freiheit.

Merksatz: Sicherheit statt Freiheit.

Die Bürger sind gezwungen, sich an den Vertrag zu halten. Der Vertrag kann nicht einseitig geändert werden.

Verletzt der Staat jedoch die genannten Naturgesetze, dann ist der einzelne Bürger sehr wohl berechtigt, sich zu wehren. Insbesondere dann kann sich der Bürger von seinem Staat verabschieden, wenn der Staat seine Schutzfunktion aufgibt.

tmd.

Anmerkungen zum Nirvana

Nirwana – Quelle: mikegi, Pixabay

Der Versuch, die Bedeutung von Identität zu erklären, dass sie nämlich für den Menschen wichtig ist, kann auch so gehen, dass man sich Gedanken darüber macht, wie es wäre, wenn es so etwas wie Identität nicht gibt.
Alle die Merkmale, die uns voneinander unterscheiden, die sind bei diesem Gedankenexperiment eingeebnet. Menschen wären dann ununterscheidbar, bzw. sie würden sich gegenseitig nicht mehr erkennen.
Das kann man nicht mal mehr als Langeweile betrachten, weil dazu bedarf es ja wenigstens irgendeines Merkmals, weswegen wir uns langweilen.
So oder so ähnlich kann man sich das Nirvana vorstellen.

tmd.

Moralische Wahrscheinlichkeit

Grüß Gott
Gibt es einen Gott? – Quelle: Didgeman, Pixabay

Unter den vielen Gottesbeweisen ist der von Blaise Pascal (1623-1662) derjenige, der am besten in unsere Zeit passt. Er ist schlicht und einfach und verzichtet auf komplizierte Argumentationsketten. Er passt zum modernen Menschen, der ergebnisorientiert an die Probleme herangeht. In unserer schnelllebigen Zeit sind Lösungen wie diese unverzichtbar.

Der Mathematiker und Philosoph Pascal argumentiert wie folgt. Zunächst geht es um eine grundsätzliche Entscheidung: Es gibt Gott oder nicht. Das ist eine 50/50-Wahrscheinlichkeit. Dann gibt es jeweils die Entscheidung, moralisch oder unmoralisch zu leben. Diese Möglichkeiten haben jeweils eine 25-prozentige Wahrscheinlichkeit.

Nun können wir vergleichen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es Gott gibt und ich für mein moralisches Verhalten im Jenseits belohnt werde, beträgt nur 25 Prozent. Obwohl nun diese Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, meint Pascal dennoch, dass es sich in jedem Fall lohnt, moralisch zu leben und an die Existenz Gottes zu glauben. Denn die Alternative, unmoralisch zu leben und dafür nach dem Tod Rechenschaft abzulegen vor Gott, hat ebenfalls nur eine Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent. Angesichts dieser Patt-Situation ist es angeraten, moralisch zu leben und auf das Seelenheil im Jenseits zu setzen, wie auf einen möglichen Lottogewinn.

tmd.

Sicherheit und Freiheit

Piratenromantik
Piratenromantik – Quelle: ptra, Pixabay

Kürzlich fiel mir eine Wandwerbung der Piraten auf. Die Piraten sind eine politische Gruppierung, die vor einigen Jahren die Aufmerksamkeit auf sich zog. Politische Arbeit wurde als Tätigkeit am Notebook oder Smartphone dargestellt und es gab auch einen flotten Spruch: die politischen Gremien zu entern. Entern ist ein Begriff, der für die Beschreibung der Eroberung eines Schiffes von einem anderen Schiff aus gebraucht wird. Soviel zu der Politik-Piraten-Romantik dieser Partei.

Die Werbung, die ich erwähnte, hatte die Überschrift: Freiheit oder Sicherheit. Wer einem dabei reflexartig einfällt, das ist Thomas Hobbes (1588-1679). Ist er doch derjenige, der das Thema erst so richtig aufgemacht hat. Bei ihm stand Sicherheit an erster Stelle. Das ist verständlich, wenn man sich die Zeiten vor Augen führt, in denen er gelebt hat: ständiger Bürgerkrieg, Angst ums Überleben, keine Möglichkeit für die Zukunft zu planen. In einer solchen Situation ist es nur verständlich, wenn man nach einer starken Hand sucht, die Ordnung herstellt.

Das wird oft vergessen und Hobbes wird für sein pessimistisches Menschenbild gescholten. Der Mensch ist egoistisch und jeder Mensch ist des anderen „Wolf“. Dabei unterschlägt man jedoch, dass Hobbes‘ Menschenbild und seine Vorstellungen eines Staates, der wie ein Uhrwerk funktioniert, nur dazu dienten, seiner Grundannahme, dass der Bürger ein grundsätzlich freier Bürger ist, Geltung zu verschaffen.

Natürlich lernen wir für den Unterricht den Merksatz: Freiheit oder Sicherheit. Damit können wir dann diese schrecklich schrägen Vergleiche mit J.J. Rousseau durchführen. Aber für Hobbes war der Bürger in erster Linie ein freier Bürger, der sich das Recht nimmt, die politischen Verhältnisse so zu ordnen, dass er, der freie Bürger, in einer Gemeinschaft sicher leben kann. Und dafür muss Sicherheit hergestellt werden.

Eine Gesellschaft, die in absoluter Sicherheit lebt, kann sich Gedanken machen über Freiheit, die ihr fehlt. Vielleicht sind die Piraten beim Entern der politischen Macht deshalb baden gegangen, weil die Wähler sich nicht sicher genug fühlten.

tmd.

Brahman – Atman: eine Anmerkung

Kaleidoskop
Kaleidoskop – immer wieder andere Farben – Quelle: sweetlouise, Pixabay

Die Schwierigkeiten mit dem Begriffspaar Atman und Brahman sind erst kürzlich im Blog thematisiert worden. Das Verhältnis von Atman und Brahman verständlich zu machen und gleichzeitig eine Vorstellung von Seele zu gewinnen, dazu eignet sich sehr gut ein Kaleidoskop. Der Tipp hierzu kam von einem kenntnisreichen Leser dieses Blogs.

Der Blick durch das Kaleidoskop zeigt ständig sich neu entwickelnde Farbstrukturen. So in etwa kann man sich das ICH in der Hindu-Philosophie vorstellen. Das ICH ist beständig in Auflösung begriffen und gleichzeitig in Neuformation.

Diese materielle Deutung eignet sich auch, um Sinndeutungen zu erklären. Kulturgüter sind kommunikativ eingefrorene und weitergegebene Sinndeutungen. Zu diesen Sinndeutungen gehört auch und besonders Religion.

Interessant bleibt aber die Frage: Wie ist es möglich, dass die materiellen Strukturen in Form von Lebewesen und Sinnstrukturen in Form von Kultur so konstant bleiben?

tmd.

Anmerkungen: Der kategorische Imperativ (Teil 2)

Muss man eine Maxime, z.B. „du sollst nicht lügen“, sklavisch befolgen, auch wenn man damit Menschenleben gefährdet?
Genau diese Frage wird immer wieder gegen Kant ins Feld geführt. Ihm wird reiner Formalismus vorgeworfen. Das sei unmenschlich, sagen die Kritiker.
Die Maxime du sollst nicht lügen, hat bei Kant immer Vorfahrt. Was aber, wenn ich einen Menschen durch meine Lüge vor dem Tode rette? Dann muss man es tun. Man muss Menschenleben retten. Denn die Maxime, einen anderen Menschen zu retten vor dem Tode, ist höchstes Gut in unserer aufgeklärten Gesellschaft.
Was ist aber dann mit der Maxime, du sollst nicht lügen? Hat sie ihren Wert verloren? Sie hat nur Bedeutung und Verpflichtung in Handlungszusammenhängen, die das Zusammenleben der Menschen konfliktfrei gestalten und regeln. Wenn aber eine Maxime das Zusammenleben und insbesondere die Menschenrechte selbst beschädigt, dann ist diese Maxime in diesem Zusammenhang nicht mehr brauchbar.
Also: Ein zu Unrecht Verfolgter in einer Diktatur genießt den Schutz eines jeden aufgeklärten Mitbürgers.
Jede Maxime muss dem – erweiterten – Gedankenexperiment genügen und widerspruchsfrei sein.

Gerne dien‘ ich den Freunden, doch tu‘ ich es leider mit Neigung,
und so wurmt es mir oft, daß ich nicht tugendhaft bin.
(Friedrich Schiller)

Heißt das, dass ich nicht moralisch handele, wenn ich aus Zuneigung oder Liebe handele?
Absolut falsch! Kant meinte, dass man dann, wenn keine Zuneigung besteht, man dennoch aus Pflicht oder zumindest pflichtgemäß (weil es zum Job gehört) handeln soll.

tmd.

Anmerkungen: Der kategorische Imperativ (Teil 1)

Unentschlossen
Möge, täte, wolle… – Quelle: Buecherwurm_65, Pixabay

Der Philosoph Günther Patzig hat in dem Aufsatz „Der kategorische Imperativ in der Ethik-Diskussion“ (erstmals erschienen 1978) einige interessante Präzisierungen zum Thema vorgenommen, die ich hier kurz in drei aufeinanderfolgenden Beiträgen zusammenfassen will.

Die Unterscheidung von kategorisch und hypothetisch wird mit hypothetischen Imperativen erklärt, die in wenn, dann-Sätzen verpackt sind. Beispiel: Wenn ich perfekt Klavier spielen will, dann muss ich fleißig üben. Dieser Imperativ richtet sich also nur an ehrgeizige Musiker. Der Imperativ richtet sich an die Bedürfnisse und Absichten der Menschen.

Kategorische Imperative haben jedoch die Verallgemeinerungsfähigkeit ihrer Handlungsanweisungen im Blick. Diese Handlungen muss jeder wollen können. Es gibt aber auch wenn, dann-Sätze, die kategorisch sind. Beispiel: Wenn du eine Familie hast, so sorge für ihren Unterhalt“ (Beispiel von Patzig). Dies ist nicht hypothetisch gemeint. Es geht hier nicht um Wünsche und Absichten, sondern um eine Situation. Jeder, der in diese Situation gerät, soll sich an die Maxime „Sorge für deine Familie“ halten – sofern er in der Situation ist.

Verallgemeinerungsfähige Maxime sollen ihre Trägfähigkeit erweisen, indem sie mit einem Gedankenexperiment getestet werden. Handlungsanweisungen dürfen nicht in sich widersprüchlich sein. Wenn ich eine Handlungsanweisung dulde, die das Lügen in bestimmten für mich vorteilhaften Situationen erlaubt, dann schaffe ich damit Vertrauen in der Gesellschaft ab. Niemand wird mehr Vertrauen aufbringen, wenn Vertrauensbruch erlaubt ist. Also: Ich kann nur lügen, weil die Anderen sich darauf verlassen, dass ich nicht lüge.

tmd.

Stichwort: Kohlberg-Schema

Alt oder jung
Moralisch handeln, ob alt oder jung – Quelle: klimkin, Pixabay

Lawrence Kohlberg war ein US-amerikanischer Psychologe. Er hat versucht nachzuweisen, dass Menschen in moralischen Konfliktsituationen sehr ähnlich oder gleich entscheiden, Unterschiede bestehen aber in der Begründung ihrer Entscheidungen. Kohlberg wollte damit beweisen, dass sich moralisches Urteilen im Laufe des Lebens qualitativ ändert. Die Begründungen des eigenen moralischen Handelns sind demnach im Alter höherwertiger.

Hier das bekannteste Beispiel: Soll man das Leben mehrerer Menschen retten und dabei den Tod eines einzelnen Menschen in Kauf nehmen? Anzahl und Kombination von Betroffenen ist dabei austauschbar und freigestellt.

Fragen dieser Art sind nicht zufriedenstellend beantwortbar. Man verletzt immer eine Regel. Im Ethik-Unterricht wird nun gelernt, dass Kinder ihre Entscheidungen sehr einfach begründen. Z.B. mit Hinweis auf die Gebote und Verbote der Eltern oder Lehrer. Bereits Jugendliche führen als Begründung Gerechtigkeit usw. ins Feld. Erwachsene bemühen Moralphilosophie.

tmd.

Stichwort: Höhlengleichnis

Höhle – Quelle: Licya, Pixabay

Platon beschreibt mit dem Höhlengleichnis ein erkenntnistheoretisches Problem. Sinnliche Wahrnehmung ist kein sicherer Weg zur Feststellung von Wahrheit. Sinnliche Wahrnehmung täuscht uns sogar, wenn wir Welt und Wirklichkeit benennen und bestimmen wollen. Platon kannte die optischen Täuschungen, die wir heute verwenden, um diesen Sachverhalt zu erklären. Die Graphiken von M.C. Escher sind gute Beispiele.
Worauf kann sich der Mensch dann noch verlassen? Platon sagt: Es ist die Ratio, die Vernunft, die uns zu wahrer Erkenntnis führt.
Jetzt wird das Höhlengleichnis verständlich. Die Menschen, die gefesselt in der Höhle sitzen, das sind die Menschen, die nur ihre sinnliche Wahrnehmung gebrauchen.

Die sinnliche Wahrnehmung ist die Fessel des Menschen.

Wir sehen nur die Schatten der Wirklichkeit. Wenn wir aber die Fesseln der sinnlichen Wahrnehmung abstreifen und die Ratio einsetzen, dann erkennen wir die Wahrheit. Beispielhaft steht dafür die Mathematik. Beherrschen wir Mathematik und Logik, dann erkennen wir die Welt und Wirklichkeit in ihren wahren Formen und Gesetzen.
Also: Raus aus der Höhle der geistigen Beschränktheit!

tmd.