Gefangen im Kerker der Sinne: Das Höhlengleichnis und Platons Ideenlehre

Raffael, Platon und Aristoteles
Platon und Aristoteles – Quelle: Wikipedia, Detailansicht aus Raffaels „Die Schule von Athen“

Gleichnisse werden verwendet, wenn man komplizierte Sachverhalte erklären will. Das Höhlengleichnis soll Platons Ideenlehre erklären. Liest man das Höhlengleichnis versteht man eher weniger als mehr. Warum? Weil man das Höhlengleichnis erst richtig versteht, wenn man die Ideenlehre verstanden hat. Einige Philosophielehrer beginnen deshalb damit, zuerst die Ideenlehre zu erklären und dann das Gleichnis. Friedo Ricken (er war mal Professor für Ethik in München), beschäftigt sich in PHILOSOPHIE DER ANTIKE nur mit den Ideen.

Was sind Ideen bei Platon? Ein Beispiel: Wenn ich nach einem Geschenk für einen guten Freund suche und plötzlich fällt mir eines ein, dann sage ich, ich habe da eine Idee, was ich ihm (meinem Freund) schenke. Das ist keine platonische Idee. Wenn ich mir vorstelle, wie ein sehr guter Unterricht in Ethik ablaufen soll, dann habe ich eine Idealvorstellung von gutem Unterricht. Das ist eine platonische Idee. Denn den idealen Unterricht, so wie ich ihn mir vorstelle, den gibt es so nicht. Sokrates gibt in einem seiner Gespräche mit einem gewissen Simmias (im Phaidon) ein gutes Beispiel. Er fragt zuerst, ob das wirklich Gute und wirklich Schöne etwas Wichtiges/Erstrebenswertes ist. Klar!, sagt Simmias, wobei wir leider nicht erfahren, woran er gerade dachte. Dann fragt Sokrates, ob Simmias das wirklich absolute Schöne denn schon mal mit eigenen Augen gesehen habe. Die Antwort ist: NEIN. „Gefangen im Kerker der Sinne: Das Höhlengleichnis und Platons Ideenlehre“ weiterlesen