Merkzettel: Thomas Hobbes

equality
Gleichheit – Quelle: Wokandapix, Pixabay

Der Mensch ist grundsätzlich egoistisch und gewaltbereit. Sein Ziel ist es, sich alles anzueignen, was er haben will. Er ist gierig. Hat er einen Wunsch befriedigt, wartet sofort der nächste Wunsch. Soweit Hobbes über den Menschen im Naturzustand.
Der Naturzustand ist ein Gedankenexperiment. Hier wird erzählt, wie sich der Mensch ohne Gesetzte und Ordnungsmacht verhält. Es ist der „Krieg aller gegen alle“. Dieser Zustand ist also eine Fiktion. Der Naturzustand soll illustrieren, wie der Mensch von Natur aus ist. Hier kann er seine natürlichen Rechte ausleben. Der Naturzustand zeigt auch, dass sich aus den Naturrechten (Freiheit, Gleichheit) ohne Zuhilfenahme der Vernunft keine politische Ordnung entwickeln lässt.

Mit Vernunft kann der Mensch die Naturgesetze ermitteln. Naturgesetze sind keine physikalischen Gesetze. Naturgesetze sind von der Vernunft ermittelte Vorschriften wie:

  • jeder Mensch hat einen Selbsterhaltungstrieb;
  • geschlossene Verträge soll man halten;
  • für einem Friedenszustand sollen alle die gleichen Rechte haben.

Diese von der Vernunft erkannten Vorschriften (Naturgesetze) können die Bürger für einen Vertrag weiterverwenden: Das ist der Gesellschaftsvertrag. Der Gesellschaftsvertrag wird zwischen allen Bürgern eines Staates geschlossen. Ziel ist es, den Naturzustand mit dem „Krieg aller gegen alle“ zu beenden.

Im Gesellschaftsvertrag geben die Menschen ihr Recht ab, sich alles, was sie wollen, auch gegen den Willen der Mitmenschen anzueignen. Der Vertrag sorgt dafür, dass der Staat – als abstrakter Herrscher – für die Einhaltung des Gesellschaftsvertrags sorgt. Der Vertrag gibt den Menschen Sicherheit. Dafür opfern sie einen erheblichen Teil ihrer Freiheit.

Merksatz: Sicherheit statt Freiheit.

Die Bürger sind gezwungen, sich an den Vertrag zu halten. Der Vertrag kann nicht einseitig geändert werden.

Verletzt der Staat jedoch die genannten Naturgesetze, dann ist der einzelne Bürger sehr wohl berechtigt, sich zu wehren. Insbesondere dann kann sich der Bürger von seinem Staat verabschieden, wenn der Staat seine Schutzfunktion aufgibt.

tmd.

Freiheit und Gleichheit: Jean-Jacques Rousseau

J.J.R. will mit seinem Gesellschaftsvertrag eine politische Ordnung herstellen, in der Freiheit und Gleichheit gewährleistet sind.
Er beginnt damit, dass er grundsätzlich nach Legitimation von Herrschaft fragt. Zu seiner Zeit gab es drei Arten von Legitimation: Herrschaft von Gottes Gnaden, Naturrecht und ein Gesellschaftsvertrag.

Freiheit und Gleichheit
Freiheit – Quelle: StockSnap, Pixabay

Gesellschaftsvertrag meint: die Bürger eines Landes schließen einen Vertrag, in dem die Herrschaft geregelt ist.
Herrschaft von Gottes Gnaden erwähnt er in seinen Überlegungen nicht. Das Naturrecht würdigt er, indem er Freiheit und Gleichheit als naturgegebene Rechte eines jeden Menschen bestimmt. Aus diesen Naturrechten lässt sich aber keine Herrschaft ableiten.
Warum ist das so?
J.J.R. hat ein bestimmtes Menschenbild. Der Mensch ist ein Einzelgänger, der den anderen Menschen besser aus dem Wege geht. Er ist frei und unabhängig und will es bleiben. In diesem Naturzustand kann der Mensch aber nicht überleben. Er ist in der Natur nicht überlebensfähig. Alle anderen Lebewesen sind ihm eigentlich überlegen. Also muss er sich mit anderen Menschen zusammenschließen, um sich zu schützen gegen die übermächtige Natur. Dieser naturwüchsige Zusammenschluss funktioniert jedoch nur in der Familie. Dort sind die Herrschaftsverhältnisse angebracht. Sobald aber der Mensch alt genug und vernünftig ist, braucht es eine andere Herrschaftsform. Es braucht eine Herrschaftsform, in der Gleichheit und Freiheit des Menschen gewährleistet sind. Das ist der Gesellschaftsvertrag.
Überlässt man es dem Zufall, dann wird die Vergesellschaftung zu einem Gefängnis für die meisten Menschen. Sie leben in Unfreiheit und sind nicht mehr gleich, weil sich einige Menschen mehr Rechte nehmen und die anderen Menschen beherrschen.
Nachdem J.J.R. diese Überlegungen abgeschlossen hat, geht es darum, einen Vertragsentwurf für einen Gesellschaftsvertrag zu machen, der den Menschen Schutz vor der übermächtigen Natur bietet, aber gleichzeitig auch Freiheit und Gleichheit herstellt.
J.J.R. sagt, alle Menschen haben dieses Ziel, nämlich frei und gleich zusammen zu leben. Im Vertrag muss also stehen, dass die Vertragschließenden, wenn sie vergesellschaftet sind, alle die gleiche Freiheit haben sollen.
Damit sie aber wirklich gleich sind, müssen sie mit dem Vertragsschluss ihre bisherigen Rechte auf individuelle Freiheit abgeben. Dafür erhalten alle Menschen die gleiche Freiheit, die im Vertrag zugesichert ist und die individuelle Freiheit ersetzt. Alle Bürger haben jetzt die „gleiche Freiheit“.

tmd.

Lernen von Hobbes

Wegweiser
Wohin? – Quelle: MarkusMoerth, Pixabay

Diskussionen über Thomas Hobbes haben eines gemeinsam. Irgendwann wird Hobbes in die rechte Ecke gestellt und als Wegbereiter der Diktatur bezeichnet. Das geschieht beinahe reflexartig.
Das ist bedauerlich.
Jean-Jaques Rousseau, der auch als ein Vordenker politischer Systeme bezeichnet werden kann, wird sehr viel seltener mit der linken Diktatur im Kommunismus in Zusammenhang gebracht.

Bei diesen Disskussionen wird nicht berücksichtigt, dass Hobbes als einer der ersten prominenten Philosophen die Staatsgewalt so ausdrücklich vom Gottesgnadentum gelöst hat.
Hobbes sagt: Alle Menschen sind gleich. Alle Menschen sollen im Staat die gleichen Rechte haben. Soll ein Friedenszustand in einem Land hergestellt werden, dann darf es niemanden geben, der mehr oder weniger Rechte hat.

Und: Dieser Staat wird von den Bürger eigenmächtig gegründet. Die Bürger sind der Bestandteil des Staates. Die Bürger sind die Architekten des Staates.

Was dem Modell eines Staates bei Hobbes fehlt ist die eingebaute Dynamik. Das Staatswesen kann sich nicht weiterentwickeln. Was ihm noch fehlt, ist die Gewaltenteilung.

Was können wir heute noch von Hobbes lernen?
Es gibt sogenannte „failed states“. In ihnen ist nichts mehr an Ordnungsmacht zu erkennen. Es sind „gescheiterte Staaten“. Jemen ist so ein Staat. Die dort lebenden Menschen befinden sich im Naturzustand, so wie es Hobbes in seinem Gedankenexperiment beschrieben hat.
Kann man den Gesellschaftsvertrag von Hobbes auf solche Situationen anwenden?
Hier fehlen die Akteure, die Bürger in Jemen, die bereit sind, einen Vertrag zu schließen.
Politikwissenschaftler haben vorgeschlagen, in solchen Fällen die Sicherheit für die Bürger „von außen“ herzustellen. Lange Zeit waren das die USA, die sich für den weltweiten Frieden engagierten. Das ist jetzt vorbei.

tmd.

Über das Einüben von Tugenden

jugendlicher Klavierspieler
Übung – Quelle: nightowl, Pixabay

Eine Diskussion zum Thema Tugenden und Werte hat das Problem mit dem Einüben derselben offengelegt.
Werte kann man nicht erwerben wie Aktien an der Börse. Die reine Kenntnis der Werte hilft auch nicht weiter. Man muss sie schon anwenden.
Mit den Tugenden ist es nicht anders. Gerecht, klug, tapfer und maßvoll handeln, kann man eigentlich erst dann, wenn man es ist: gerecht, klug, tapfer und maßvoll.
Was also tun?, werde ich immer wieder gefragt. Wie beginne ich mit dem tugendhaften Verhalten?

Die Frage stellt sich übrigens auch schon beim Erwerb und der Konstruktion von Identität und der Bildung eines autonomen Gewissens.

Tugendhaft Handeln geht nur durch Übung. Man muss damit anfangen – und zwar selbst. Nötig dazu ist auch ein Lehrer, eine Lehrerin, aber der/die kann den Übenden nicht „zum Jagen tragen“.
Im Weg steht uns dabei sowohl das antike als auch das moderne kapitalistische Denken. Schon bei Platon entsteht der Eindruck, dass man das Gute nur wissen muss, um auch gut zu handeln. Aber der antike griechische Polis-Bewohner zur Zeit des Sokrates hatte noch die Vorstellung, dass man das Gute nur im Handeln des Menschen erkennen kann. So gesehen ist das Gute zu wissen immer verbunden mit dem Einüben dieses Wissens.
Tugendhaft leben heißt für den antiken Menschen aber auch glücklich sein.
In unserer modernen kapitalistischen Welt ist Glück aber von den Tugenden entkoppelt worden.
Vor diesem Hintergrund ist das Einüben von Tugenden doppelt erschwert.
Warum tugendhaft handeln wollen und beim Üben Niederlagen einstecken, wenn man Glück auch ganz ohne persönlichen Einsatz erreichen kann? Im Berufsleben durch einen Job, der nur die Freizeit finanziert – beispielsweise.
Die Frage: Was für ein Mensch willst du sein?, wird dabei ausgeklammert.

Die Frage: Kann man Tugenden in der Schule einüben?, ist schnell beantwortet. Man kann es ja mal versuchen.

tmd.

Bildung und Herrschaft

… was not born to follow – Quelle: Skitterphoto, Pixabay

Das Bildungssystem im Platonischen Staatswesen erinnert an unser Schulsystem und auch an das sozialistische Gegenstück in der ehemaligen DDR.
Kinder haben grundsätzlich die gleichen Chancen. Jeder besucht eine Schule und die Bildung ist für alle kostenlos.
Wer seine Leistungsgrenzen erreicht hat, der wird in entsprechende Berufsfelder eingegliedert. Wer bis zum Schluss seine Grenzen nicht erreicht hat, der ist qualifiziert für eine Führungsrolle im Staat.
Denn nach Platon sollen schließlich nur diejenigen herrschen, die philosophisch gebildet sind.
Politische Herrschaft ist demnach eng an Bildung gekoppelt. Damit sind alle diejenigen, die während der Aus-„Bildung“ vorzeitig aussortiert werden, von der Herrschaft prinzipiell ausgeschlossen. Das kann man als undemokratisch bezeichnen.
Demokratisch wäre es, wenn alle die gleiche Chance auf Herrschaft hätten, also auch die Un- oder wenig Gebildeten. Legt man das Bildungssystem Platons zu Grunde, dann ist die Mehrheit in einem Staat nicht gebildet genug, um einen Staat zu führen. Nur wenige taugen zum Philosophen und deshalb zum Herrschen.
Denkt man dies weiter, dann ist Demokratie zwar die Herrschaft aller, aber nicht unbedingt die Herrschaft der Geeigneten. Man kann auch überspitzt sagen, Demokratie ist die Herrschaft der Mehrheit, also die Herrschaft der Dummen, der Ungebildeten. Unter diesem Blickwinkel schicken wir also nicht die philosophisch Gebildeten in den Bundestag.
Das passt nun gar nicht zu unserer Vorstellung von Politik.
Was also tun?
Kontrollieren wir diejenigen, die für uns die Herrschaft übernommen haben. Damit verhindern wir, dass sich Dummheit durchsetzt. Und widersetzen wir uns der Politik, die der kritischen Diagnose der Vernunft nicht standhält.

tmd.

Merkzettel: Höhlengleichnis

Aufklärung
raus aus dem Kerker der Sinne – Quelle: StockSnap, Pixabay

Das Höhlengleichnis von Platon soll die Ideenlehre erklären. Gleichzeitig soll es erklären, dass der Mensch ein bildungsfähiges Wesen ist.

Die Erklärung der Ideenlehre durch das Höhlengleichnis bleibt unverständlich, wenn man die Ideenlehre nicht schon kennt. Die Erklärung zur Bildungsfähigkeit des Menschen bleibt irreführend, weil es nicht um die Fächer in der Schule geht, sondern um den Gebrauch der Vernunft geht. Das muss man erst lernen.

Zunächst zur Bildungsfähigkeit: Die Menschen, die in der Höhle sitzen und dort gefesselt sind, können nur die Schatten der Wirklichkeit sehen. Der Grund: Sie nutzen nur ihre sinnlichen Fähigkeiten. Die Sinne sind aber leicht zu täuschen.
Meine Merkhilfe dazu: Wir sind Gefangene im Kerker der Sinne.
Die Täuschung ist nur zu verhindern durch Erfahrungen und Wissen und vor allem durch den Einsatz von Vernunft. Vernunft ist hier theoretisches Denken, ist abstraktes Denken. Erfolgreichste Disziplin ist hier die Mathematik.

Nun zur Ideenlehre: Platon sucht nach universellen Begriffen. Das Gute und die Tugenden sollen nicht beliebig sein. Das Gute in seiner vollkommenen Form ist bei Platon in der Welt der Ideen enthalten. Damit seine Theorie systematisch die gesamte Wirklichkeit beschreiben kann, werden auch alle Objekte der Welt in die Welt der Ideen gespiegelt. Es gibt also zu jedem Objekt der Welt, das wir sinnlich wahrnehmen, ein vollkommenes Gegenstück in der Welt der Ideen.

Das vollkommene Objekt in der Ideenwelt kann man aber nur erkennen, wenn man die Vernunft einsetzt. Das führt jedoch zu etlichen Problemen. Gibt es zu jedem Objekt der wahrnehmbaren Welt auch ein Gegenstück in der Welt der Ideen, dann müsste es auch Viren und Bakterien in der Welt der Ideen geben.

Welche Interpretationen lässt das Höhlengleichnis noch zu?
Lernen, Wissen ansammeln und die Vernunft trainieren ist anstrengend. Es ist einfacher, im Kerker der Sinne zu verharren und sich mit Schattenmeldungen (Neudeutsch: fake-news) zu beschäftigen.

tmd.

Anthropozentrische Wende

Die „anthropozentrische Wende“ in der Philosophie ist schwer zu verstehen, weil dabei unsere Denkgewohnheiten auf den Kopf gestellt werden.
Ausgangspunkt für die Erklärungen sind die widersprüchlichen Welterklärungen der Naturphilosophen. Diese habe den alten mythischen Glauben und die Religion abgelöst. Das, was vorher durch die Mythen erklärt wurde, sollte jetzt durch Erklärungen ersetzt werden, die den heutigen naturwissenschaftlichen Erklärungen ähneln. Beispiel: Die Welt besteht aus Elementen, wie Luft, Feuer und Wasser.
Sie waren aber sehr unterschiedlich. Diese Widersprüche konnten die Naturphilosophen (Vorsokratiker genannt, weil sie vor Sokrates gelebt haben) nicht aus dem Weg räumen.

(Anmerkung: Sie konnten ihre Erklärungen und Theorien, wie die Welt funktioniert, nicht mit Experimenten beweisen oder widerlegen.)

Das Ziel der Naturphilosophen war es, die Welt nach einem Modell zu erklären. Da sie das nicht schafften, konnte sich eine neue Denkweise durchsetzen, die von den Sophisten vertreten wurde.

Anthropozentrisch: Der Mensch (griechisch anthropos) steht im Zentrum.

Die Sophisten wollten nicht mehr die unterschiedlichen Welterklärungen beseitigen, sondern sie haben ihre Denkrichtung gedreht. Nicht die Welt und Wirklichkeit steht im Zentrum, sondern der Mensch mit seinen Denkvoraussetzungen. Mit Denkvoraussetzungen ist gemeint: Welche Fähigkeiten hat der Mensch, die Welt zu erkennen. (Damit beschäftigt sich die Erkenntnistheorie)

illusion
Illusion – Quelle: Convegni_Ancisa, Pixabay

Wenn wir diese Weltdeutung (Paradigma nennt man so etwas in den Wissenschaften) anwenden, dann müssen wir unterschiedliche Sichtweisen von der Welt akzeptieren. Das widerspricht unseren Gewohnheiten. Wir gehen davon aus, dass wir alle die gleiche Wirklichkeit sehen und wahrnehmen. In der Schule lernen wir in Ethik ab der 8. Klasse im Gymnasium, dass die Philosophen nach der einen richtigen Wahrheit suchen: veritas est semper maior.

Das ist aber ein Irrtum! Kinder und Erwachsene, Frauen und Männer, Gesunde und Kranke, alte und junge Menschen nehmen die Wirklichkeit anders wahr. Mediziner und Psychologen können das bestätigen.

But we decide which is right.
And which is an illusion?

(Graham Edge, 1967)

tmd.

Introspektion

„Ein gutes Gewissen haben“ und „ein schlechtes Gewissen haben“ sind Redewendungen, die eine Existenz eben dieses Gewissens voraussetzen. Die Existenz dieses Teils wird nicht bezweifelt. Das ist umso erstaunlicher, als wir es nicht sehen können. Wir müssten also doppelt vorsichtig sein, wenn wir uns damit beschäftigen.
Die Sinne können uns täuschen. Das war Thema bereits in der 5. Klasse in Ethik. Gewissen nehmen wir aber nicht über unsere Sinne wahr, sondern es ist eine „Wahrnehmung“, wenn wir in uns „hinein horchen“. Introspektion heißt hier das Fachwort. Das ist Selbstbeobachtung von Vorgängen in uns selbst.
Spätestens an dieser Stelle dürften wir eigentlich nicht mehr unkritisch vom Gewissen reden.

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… in sich hinein horchen – Quelle: geralt, Pixabay

Was machen wir eigentlich, wenn wir so in uns hinein horchen? Hirnforscher würden es folgendermaßen beschreiben. Der Mensch hat ein Bewusstsein. Bewusstsein ist: sich beim eigenen Denken zuschauen. Introspektion ist dann das Beobachten des „Sich selbst beim Denken zuschauen“. Ganz schön kompliziert.

Haben alle Menschen diese Wahrnehmung? Genau das ist das Problem. Philosophen und andere interessierte Menschen erzählen sich und uns von dieser Wahrnehmung. Die Erzählungen sind meist sehr ähnlich. Man kann sie aber nicht empirisch nachprüfen. Wissenschaftler können zwar die verschiedenen Hirnströme messen, aber letztlich machen wir uns ein gedankliches Modell davon, was das Gewissen ist.

Die Rede vom Gewissen ist also ein Leistung des Verstandes (epistemisch). Wenn wir die Introspektionen kritisch auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen wollen, dann haben wir nur die (aus der 8. Klasse bekannten) epistemischen Theorien zur Verfügung. Unser Modell von Gewissen muss also in sich widerspruchsfrei sein, von vielen akzeptiert werden und irgendwie unmittelbar einleuchtend sein, also kohärent, konsent und evident.

Damit ist klar, dass sich die Modelle, die Beschreibungen des Gewissens nicht immer gleichen müssen. Auch die Form (Modell) des Gewissens muss nicht immer gleich sein. Letztlich ist es auch eine Frage der Introspektion, was das Gewissen eigentlich leistet und woher es kommt.

Wir dürfen also nicht aus dem Blick verlieren, welche Interessen hinter den jeweiligen Modellen von Gewissen stehen.

tmd.

Über Werte und Tugenden

Streben nach Glück – Quelle: meineresterampe, Pixabay

Der Unterschied zwischen Werten und Tugenden wird im Ethikunterricht nicht näher erklärt. Tugenden haben etwas mit dem Begriff Tauglichkeit zu tun. Werte beziehen sich auf etwas, was uns wichtig ist. Die klassischen Tugenden bei Aristoteles sind Tapferkeit, Mäßigung, Klugheit und Gerechtigkeit. Werte sind sozio-kulturell unterschiedliche Orientierungspunkte, wie z. B. Toleranz. Toleranz ist aber etwas, das nur derjenige als Wert leben kann, der freiwillig das Verhalten eines anderen „erduldet“. Grundsätzlich kann also nur der Stärkere, der Erfolgreiche tolerant sein.

Tugenden sind durch den Aspekt des Handelns – „tauglich sein für etwas“ – mit Übung verbunden. Man kann nicht einfach „tugendhaft“ sein. Man muss es einüben. Während Werte dazu dienlich sind, sich in einer Soziokultur zurechtzufinden und ggf. auch wohlzufühlen, sind Tugenden dazu da, ein guter und glücklicher Mensch zu werden und zu sein.

Merke: Tugendhaftes Handeln ist gutes Handeln und macht den Menschen glücklich, so die Vorstellung des antiken Griechen. Sich an Werten orientieren heißt, mit den jeweiligen moralischen Vorstellungen übereinzustimmen.

tmd.

Anmerkungen zum Nirvana

Nirwana – Quelle: mikegi, Pixabay

Der Versuch, die Bedeutung von Identität zu erklären, dass sie nämlich für den Menschen wichtig ist, kann auch so gehen, dass man sich Gedanken darüber macht, wie es wäre, wenn es so etwas wie Identität nicht gibt.
Alle die Merkmale, die uns voneinander unterscheiden, die sind bei diesem Gedankenexperiment eingeebnet. Menschen wären dann ununterscheidbar, bzw. sie würden sich gegenseitig nicht mehr erkennen.
Das kann man nicht mal mehr als Langeweile betrachten, weil dazu bedarf es ja wenigstens irgendeines Merkmals, weswegen wir uns langweilen.
So oder so ähnlich kann man sich das Nirvana vorstellen.

tmd.