Nightmare

Uhr auf Tisch
sieben Minuten nach Mitternacht erscheint das Monster – Quelle: JESHOOTS, Pixaby

Das Thema Schuld, Schuldgefühle und Unterbewusstsein ist hochinteressant. Das sagen meine SuS. Es ist schon einige Zeit her, dass ich dazu auf das Jugendbuch von Patrick Ness „Sieben Minuten nach Mitternacht“ aufmerksam gemacht habe.

In der Geschichte geht es um einen Jungen, dessen Mutter sterben wird. Er kommt damit nicht klar und leidet – nun ja, mal vorsichtig gesagt – unter psychischen Symptomen. Ein Traum plagt ihn und ein Monster erscheint ihm.
Die Disskussion um die Deutung des Monsters hat noch kein Ende gefunden.

Ist das Monster aus „Sieben Minuten nach Mitternacht“ real vorhanden oder existiert es nur im Bewusstsein der Hauptperson Conor? Ist dieses Monster also nur ein Produkt des Unterbewusstseins: verdrängte Ängste und Wünsche?

Dagegen spricht ganz eindeutig, dass die Hinterlassenschaften der Eibe (das Monster ist ein Baum) in der Realität auftauchen und nicht nur im Unterbewusstsein von Conor.
Und ein weiterer Punkt spricht gegen die Deutung, dass sich das Monster im Unterbewusstsein befindet. Im Unterbewusstsein von Conor läuft bereits eine verdrängte Handlung. Es ist der Traum, in der seine Mutter stirbt. Und: Er kann oder will nichts dagegen tun.
Die Deutung des Traums ist simpel. Conor leidet darunter, dass seine Mutter sterben wird. Er will sich nicht eingestehen, dass er auf den Tod seiner Mutter wartet, damit sein Leiden ein Ende hat. Soweit die klassische Interpretation des Traums.

Was aber soll dann noch das Monster in der Geschichte?
Man könnte sagen, es ist die Welt in allen ihren dunklen Seiten. Es ist die Welt, so wie sie nun mal ist: Gut, aber auch böse.
Diese psychologisch-philosophische Deutung hilft aber nicht weiter. Die Frage bleibt offen: Ist das Monster real?

Helfen die beiden Szenen, in denen Conor über sich hinaus wächst? Er zertrümmert das Wohnzimmer seiner Großmutter und er verprügelt einen Mitschüler, der ihn schwer mobbt. Beides übrigens mit Hilfe des Monsters.
Eine befriedigende Erklärung ist das keineswegs.

Die Diskussion geht weiter.

tmd.

Der unerbittliche Kritiker in dir

schlechtes gewissen
verdrängte Gefühle rumoren im Unterbewusstsein – Quelle: kellepics, Pixabay

Ambivalente Gefühle und das Eisbergmodell sind erste einfache wissenschaftliche Erklärungen des „schlechten“ Gewissens.
Was soll mit diesen Erklärungen erreicht werden?
Du brauchst in der Regel kein schlechtes Gewissen haben. Ambivalente Gefühle sind ganz normal und begleiten dich ein Leben lang. Ambivalente Gefühle, das ist die Suche nach Nähe und gleichzeitig auch der Wunsch nach Freiheit. Das ist Zuneigung und Ablehnung in einem Zug.
Alles beginnt in der Pubertät. Da fängt man an, über sich und die eigenen Gedanken und Gefühle nachzudenken. Die Folge:

Du bist dein eigener unerbittlicher Kritiker.

Warum das nun?
Ein Beispiel: Deine Eltern sind dir eigentlich sehr wichtig. Psychologen sagen: Sie sind deine Bezugspersonen. Vieles, was du weißt, hast du von ihnen gelernt. In der Bibel heißt es sogar: Du sollst Vater und Mutter ehren. Der Satz macht mächtig Eindruck, auch wenn du nicht gläubig bist. Aber manchmal geht dir die Familie schon richtig auf die Nerven. Du willst schließlich auch mal alleine sein, selber entscheiden, also selbstständig sein – oder es zumindest einüben.
Und in diesem Moment beginnt die innere Auseinandersetzung. Psychologen nennen das den „intrapersonalen“ Konflikt. Das ist der Streit mit dir selbst. Du willst zwei Wünsche und Gefühle zusammen. Selbstständig sein, aber auch die Eltern nicht enttäuschen. An der Stelle kommt dann das schlechte Gewissen zum Zuge.
Erwachsen werden heißt aber auch, mit diesen „ambivalenten Gefühlen“ leben und dennoch kein schlechtes Gewissen haben.
Was aber, wenn das nicht gelingt? Wenn man sich Vorwürfe macht, weil man sich in Gedanken fürchterlich von den Eltern oder der Familie genervt fühlt.
Dann will man diese Gedanken „verstecken“, man lässt sie verschwinden, am besten dort, wo man nicht mehr daran denkt: im Unterbewusstsein, so nennen das die Psychologen. Und die haben noch so ein Wort dafür gefunden: Verdrängung.
Aber das ist nun wirklich nicht die beste Lösung. Denn dort rumoren die Gedanken weiter herum. Das Rumoren zeigt sich dann im Alltagsleben in sonderbaren Formen, zum Beispiel in Bauchschmerzen.
Wie bei einem Eisberg sieht man dann die Erscheinungen, also die Bauchschmerzen (die Spitze des Eisberges) und wundert sich, woher sie kommen. Denn die Ursachen liegen im unteren Teil des Eisberges, der unter der Wasseroberfläche ist und nicht sichtbar ist.
Also: die Spitze des Eisberges ist das Bewusstsein, der Rest des Eisberges, der unter der Wasseroberfläche ist, ist das Unterbewusstsein.

Aber: Natürlich gibt es auch ganz normale Bauchschmerzen ohne seelische (psychische) Gründe. Die Ärzte sind dann oft ratlos. Ist es das eine oder das andere?
Was tun?
Selbsterkenntnis! Also über sich nachdenken, wer man ist und wie man sich langsam aber sicher verändert, erwachsen wird. Anne Frank hat das in ihrem Tagebuch vorgemacht.
Lesenswert!

tmd.