Zurück in den Kerker der Sinne?

Kerker der Sinne
Don’t look back – Quelle: Lysons_editions, Pixabay

Hat man den Kerker der Sinne erst einmal verlassen, dann sollte es kein zurück geben. Denn wer anschließend sich in die Welt der Sinnestäuschungen und Schatten begibt, der ist in großer Gefahr.
Er muss sich mit Fake News auseinandersetzen und Verschwörungstheorien. Er muss gegen die Verdummung durch die Medien kämpfen und das Verschwinden der Tugenden.

Dennoch machen sich immer wieder einige auf den Weg zurück in die Höhle, um dort jemanden zu retten. Dabei wissen wir, dass schon Platon als Philosophielehrer und Politikberater keinen Erfolg hatte.

tmd.

Merkzettel: Wahrheitstheorien

Mädchen sucht im Internet
Suche nach Wahrheit – Quelle: StockSnap, Pixabay

Was wir als Wahrheit bezeichnen, können wir mit den vier Wahrheitstheorien feststellen. Wahr ist demnach:

  • Wenn uns etwas unmittelbar einsichtig ist, dann sagen wir, dass dies wahr ist. Beispiel: Der Teil eines Kuchens ist selbstverständlich kleiner an Umfang und Gewicht als der ganze Kuchen. Das leuchtet uns unmittelbar ein. Das ist die Evidenztheorie.
  • Wenn eine Gruppe von Menschen etwas für wahr hält, dann ist eine Aussage für die Menschen dieser Gruppe wahr. Das ist die Konsenstheorie. Das heißt nicht, dass außerhalb der Gruppe andere Menschen nicht andere Wahrheiten haben.
  • Wenn sich Aussagen nicht widersprechen, dann sind diese Aussagen wahr. Das ist die Kohärenztheorie.
  • Wenn meine Wahrnehmung und eine Sache oder Aussage übereinstimmen und diese Übereinstimmung meinem urteilenden Denken, meinem kritischen Denken nicht widerspricht, dann ist die Sache wahr. Das ist die Korrespondenztheorie. Hier merken wir uns den Satz von Thomas von Aquin: Wahrheit ist die Übereinstimmung des urteilenden Denkens mit der Sache (veritas est adaequatio intellectus et rei).

Leistungsfähigkeit und Schwächen der vier Wahrheitstheorien

  • Die Evidenztheorie ist schon sehr mächtig, hilft aber nicht weiter bei komplexen Problemen. In der Physik und Biochemie gibt es Erkenntnisse, die sind eben nicht sofort klar: Lichtgeschwindigkeit, Raum-Zeit-Krümmung sind gute Beispiele.
  • Die Konsenstheorie ist die robusteste unter den Wahrheitstheorien. Sie ist aber angreifbar, wenn es um Irrtümer geht. Irrtümer werden oft lange Zeit für wahr gehalten.
  • Die Kohärenztheorie ist nun diejenige, die sehr geeignet ist, Irrtümer und Fehler herauszufinden und für Aufklärung zu sorgen. Auf diese Wahrheitstheorie wollen wir nicht verzichten.
  • Die Korrespondenztheorie ist unsere Brücke zur Welt und Wirklichkeit. Ohne die Wahrnehmung der Welt und Wirklichkeit können wir nichts über die Welt aussagen. Leider hat diese Theorie einen Schwachpunkt. Ich kann meine Wahrnehmung nur durch Fremdwahrnehmung wieder bestätigen. Das ist ein infiniter Regress.

Was also tun?
Wir müssen die vier Theorien kombinieren.
Wenn etwas evident ist, müssen wir fragen, ob es auch kohärent ist und Konsens findet. Und ich muss auch meine Wahrnehmung mit der Wirklichkeit vergleichen.
Nichts anderes machen wir in den Wissenschaften.

Die vier Theorien werden außerdem unterschieden in epistemische und empirische Theorien.

  • Die Korrespondenztheorie ist eine empirische Theorie. Empirie heißt Erfahrung. Meine Wahrnehmung, meine Erfahrung wird mit der Wirklichkeit verglichen.
  • Die anderen Theorien sind epistemisch, haben etwas mit Vernunft und Verstand zu tun. Hier beurteile ich meine Wahrnehmung nur abstrakt mit den Werkzeugen der Vernunft.

tmd.

Merkzettel: Praktischer Syllogismus

Leben lernen
logisch und praktisch argumentieren – Quelle: StockSnap, Pixabay

Vernünftiges Argumentieren geht in Ethik mit dem praktischen Syllogismus.

Als Vorübung lernen wir den logischen Syllogismus kennen. Der geht so:

  • Wenn alle Athener Griechen sind (Obersatz)
  • und alle Griechen Menschen sind (Untersatz),
  • dann sind auch alle Athener Menschen (Schlussfolgerung).

Das ist einfach und soll nur die Methode des Schlussfolgerns zeigen. Mit solchen Syllogismen können wir die Widerspruchsfreiheit von allgemeinen Aussagen prüfen. Hier kommt also die Kohärenztheorie zum Einsatz.
Wenn ich also Zucker und Süßes als ungesund bezeichne (Obersatz) und Zucker in vielen Getränken enthalten ist (Untersatz), dann kann ich nicht empfehlen, zuckerhaltige Getränke zu trinken (Schlussfolgerung).

Der praktische Syllogismus funktioniert ähnlich:

  • Im Obersatz steht eine moralische Norm: „Du sollst nicht töten.“
  • Im Untersatz steht die Beschreibung einer Situation, in der du handeln musst. In dieser Situation musst du dich entscheiden, die moralische Norm im Obersatz einzuhalten oder nicht.
  • In der Schlussfolgerung handelst du nach der moralischen Norm im Obersatz.

Bei dieser Form des vernünftigen Argumentierens geht es darum, dass du dich immer auf Normen und Werte beziehst bei deinen Handlungen und diese Normen und Werte auch ausdrücklich angibst!

Entscheiden und Handeln ohne eine moralische Norm anzugeben, das geht also gar nicht! Dahinter steht die Absicht, dass wir immer begründen, warum wir so und nicht anders handeln und vor allem, dass wir damit auch Verantwortung für unser Handeln übernehmen.

tmd.

Norm – Entscheidung – Handlung

Entscheidung
eine Entscheidung treffen – Quelle: ElenaRepina, Pixabay

Der praktische Syllogismus ist ein Hilfsschema zum Argumentieren, das sich an der Wahrheit orientiert. Er bereitet deshalb soviel Schwierigkeiten, weil wir uns im Alltag nicht an die Reihenfolge des praktischen Syllogismus halten, nicht halten können.
Wie geht das!?
Der praktische Syllogismus beginnt mit einer moralischen Norm. Beispiel: Du sollst nicht lügen.
Dann kommt die Kurzbeschreibung einer Situation, in der ich mich entscheiden muss, ob ich lüge oder nicht.
Den Schluss bildet die Handlung, also wie ich mich letztlich entschieden habe.

Im Alltag begegnet mir zuerst der zweite Satz, also die Situation, in der ich moralisch handeln soll oder will.
Dann kommt die Rückfrage an meine moralischen Normen. Gibt es da Handreichungen, die mir helfen, moralisch richtig zu handeln?
Zuletzt kommt die eigentliche Handlung.

Soll sich die Argumentation an Wahrheit orientieren, dann muss ich angeben, mit welcher Begründung – mit welcher moralischen Norm ich meine Handlung in der entsprechenden Situation rechtfertige.

Der Hinweis auf die moralische Norm, die ich anwende, ist deshalb so wichtig, weil ich in meiner Argumentation diese Norm offenlegen muss.
Diese Norm entbindet mich aber nicht von der Übernahme der Verantwortung. Es reicht also nicht, dass ich mich auf eine Person oder Gott berufe. Meine Handlung muss immer ich selbst verantworten.

tmd.

Praktischer Syllogismus

Ethisch Argumentieren ist eine Aufgabe der Vernunft – Quelle: Anher, Pixabay

Widerspruchsfrei und folgerichtig soll vernünftiges Argumentieren sein. Kohärenz nennt man das. Was kohärent ist, dass soll wahr sein.
Leider können kohärente Aussagen auch in Wirklichkeiten existieren, die nicht die unseren sind. Märchen und Fantasieromane beispielsweise müssen auch in sich widerspruchsfrei sein, damit wir die Geschichten verstehen. Unsere Aussagen müssen also eine „Rückbindung“ an die Wirklichkeit haben. Diese Rückbindung kann ich aber nur dadurch feststellen, dass ich Wahrnehmung mit Wirklichkeit vergleiche. Das ist Aufgabe der Korrespondenztheorie. Von ihr wissen wir, dass sie uns nur bedingt weiterhilft. Wir können die Übereinstimmung von Wahrnehmung und Wirklichkeit nicht endgültig beweisen.
Was bitte, nützt uns dann aber die Forderung nach Kohärenz?

Wir müssen die Argumentation in ein Schema bringen, in dem erkennbar ist, was wir über die Wirklichkeit aussagen (wo wir unter Umständen irren), und was unsere Schlussfolgerungen aus diesen Aussagen sind. In der Logik gibt es dafür die Syllogismen (logische Schlüsse). Meist lernen wir nur den einen bekannten Syllogismus.
Alle Athener sind Griechen (Obersatz)
Sokrates ist Athener (Untersatz)
Sokrates ist ein Grieche (Schlussfolgerung)
Es gibt aber weit mehr Syllogismen.

Mit Moral hat das zunächst einmal wenig zu tun. Aber es gibt eine Ableitung des logischen Syllogismus. Die geht so:
Im Obersatz steht eine moralische Forderung (Du sollst nicht lügen)
Im Untersatz ist eine allgemeine Situation genannt, in der moralisch gehandelt werden soll.
In der Schlussfolgerung steht die Handlungsanweisung für die allgemeine Situation, wobei auf den Obersatz Bezug genommen wird. (Nicht lügen, weil es moralisch nicht erlaubt ist)
Ich habe damit eine in sich widerspruchsfreie Argumentation.
Das nennt man den praktischen Syllogismus.

Doch Vorsicht!
Damit rechtfertige ich nicht die moralische Aussage im Obersatz. Wer dieser Aussage nicht zustimmt, der braucht der Argumentation nicht zu folgen.
Was habe ich damit gewonnen?
Ich habe meine Argumentation offengelegt. Sie ist „wahr“. Aber man muss mir nicht zustimmen. Ich könnte, was durchaus möglich und denkbar ist, auch sagen, dass die moralische Forderung im Obersatz nicht einzuhalten ist. Ich könnte sagen, die moralische Forderung sollte lauten: Grundsätzlich ist lügen verboten, aber es gibt Ausnahmen.

Genau das ist ethisch Argumentieren: Schlussfolgerungen ziehen aus selbst gesetzten moralischen Forderungen.

tmd.

Stichwort: Korrespondenztheorie

Infiniter Regress – Quelle: nataliekoroshchenko, Pixabay

Die Frage: „Ist das wirklich wahr?“, ist philosophisch grundlegend. Bei der Antwort können wir uns an dem alltäglichen Wahrheitsbegriff orientieren. Ich deute auf einen Baum und sage: Das ist ein Baum. Meine Aussage stimmt überein mit der Sache, die ich benenne. Das ist eigentlich schon Philosophie pur. Wahrheit ist die Übereinstimmung zwischen dem denkenden Bewusstsein und der Sache. Thomas von Aquin hat das geschrieben. Veritas est adaequatio intellectus et rei. Meine Aussage entspricht hier dem denkenden Bewusstsein.
Woher weiß ich, dass die Aussage wahr ist? Ich nehme es an, ich glaube es, solange nicht irgendein Grund sich findet, dass ich mich irre. Irrtum ist also immer möglich. Denn der Nachweis meiner wahren Aussage kann wieder nur durch eine Aussage über die Sache und meine Aussage nachgewiesen werden. Das geht so weiter bis in die Unendlichkeit. Es ist ein infiniter Regress.
Das muss uns im Alltag aber nicht stören. Wir können uns auf die Wahrheitstheorie des Alltags verlassen. Erst dann, wenn wir uns einbilden, im Werkzeugkoffer sitzt eine Fee, sollten wir innehalten und kritisch unsere Annahme überprüfen.

tmd.

Stichwort: Kohärenz

Widerspruchsfreies Denken – Quelle: geralt, Pixabay
  • Kohärenz ist ein Thema in Ethik in der 8. Klasse (G8). Hier geht es um das ethische Argumentieren. Argumentieren heißt, einen Standpunkt beziehen und diesen begründen. Dies geschieht meist mit einer Behauptung oder Meinung, die mit Beispielen bekräftigt wird. Hier können Kompetenzen aus dem Deutschunterricht genutzt werden.
  • Diese Art der Begründung darf in sich keine Widersprüche haben, sie muss schlüssig sein und nachvollziehbar sein. Wenn es keine Widersprüche gibt, dann können Aussagen „wahr“ sein. Ethische Argumentation soll also das Merkmal der Wahrheit haben.
  • In einigen Lehrbüchern wird das auch „Konsistenz“ genannt.
  • Ethisch ist das Argumentieren dann, wenn es von moralischen Forderungen ausgeht. Beispiel: Du sollst nicht töten. Alle weiteren Meinungen und Behauptungen orientieren sich an dieser Vorschrift.
  • Kohärentes Argumentieren bezieht sich auf Aussagen über die Wirklichkeit. Geprüft wird aber nicht die Übereinstimmung mit der Wirklichkeit. Das wäre die Aufgabe der Korrespondenztheorie. Geprüft wird die Übereinstimmung einer Aussage mit anderen Aussagen. Hier dürfen sich keine Widersprüche ergeben.
  • Auf diese Weise können komplexe Aussagesysteme entstehen, die in sich widerspruchsfrei sind, aber nicht unbedingt in der Wirklichkeit existieren müssen. Beispiele sind Märchen. Sie sind nicht in der Wirklichkeit vorhanden, aber dennoch in sich widerspruchsfrei.

tmd.

Merkzettel: Ethisch argumentieren

Sag die Wahrheit – Quelle: Gallila-Photo, Pixabay

Hier eine Checkliste von Punkten, die beim ethischen Argumentieren beachtet werden müssen.

  • Argumentiren kann und muss man einüben.
  • Meinungen, Behauptungen und Standpunkte müssen nachvollziehbar sein und müssen begründet werden.
  • Die Begründungen müssen logisch sein.
  • Ohne Fachwissen kann man nicht argumentieren. Auch wenn es um Moral geht, muss man die Probleme kennen.
  • Ethische Argumentation ist nicht Alltagskommunikation. Der gesunde Menschenverstand reicht nicht aus. Man argumentiert immer vor dem Hintergrund einer Theorie. Beispiel: Handeln aus Pflicht, Handeln mit Blick auf das Ergebnis.

tmd.

Über die Herren Sophisten

Der Redner
Der Redner – Quelle: 3dman_eu, Pixabay

Die Sophisten haben nicht gerade das beste Image. Sie sollen ihr Wissen für Geld verkauft haben. An Wahrheit waren sie nicht interessiert. Für einen Philosophen nicht denkbar.
Es gibt aber auch das Bild der Sophisten als erste Aufklärer der Philosophiegeschichte. Sie haben den Weg bereitet in Richtung Pluralismus, heißt es. Jede Bürgerschaft soll demnach die politische Herrschaft haben, die zu ihr passt. Der Bürger ist das Maß der politischen Verhältnisse.

Beide Bilder sind wohl falsch.

In einem Interview rückt der Altphilologe Wilfried Stroh die Verhältnisse gerade.
Prof. Stroh beschreibt die Sophisten als tüchtige Rhetorik-Lehrer. Die Bürger von Athen mit ihren demokratischen Einrichtungen, z.B. Volksversammlung, brauchten diese Lehrer. Wer in Athen etwas erreichen wollte, der buchte sich also einen Rhetorik-Coach. Die Athener selber hatten keine.
Prof. Stroh kennt keine Quellen, aus denen hervorgeht, dass sich die Sophisten ihrer wichtigen Rolle in der Geschichte der Philosophie bewusst waren.
Platon überzog die Sophisten mit Kritik. Er machte das, obwohl er doch wusste, dass sein Lehrer Sokrates eigentlich auch ein Sophist war. Sokrates wollte die Sophisten mit deren eigenen Mitteln entzaubern.
Aber Platon malte ein Bild der Sophisten, dass der Wirklichkeit nicht entsprach. Die Sophisten bei Platon führen Gespräche um Standpunkte, die in Athen kein Thema waren, meint der Professor.

Den Herren Sophisten erging es also wie vielen Personen der Geschichte, deren Bedeutung erst später klar wurde.

tmd.

SMS FÜR DICH von Sofie Cramer

Mehrere SuS haben mich gefragt, ob ich eine Inhaltsangabe und Bewertung zum Roman von Sofie Cramer für den Ethik-Blog schreibe. Ich komme dem Wunsch gerne nach, weil ich hoffe, dass auf diese Weise das Interesse geweckt wird, im Ethikunterricht Bücher (und nicht nur Textschnipsel) zu lesen.

Sofie Cramer erzählt in ihrem Roman „SMS FÜR DICH“ die Geschichte von Clara und Sven. Die beiden lernen sich eher durch einen technischen Irrtum kennen. Nach einigen Irrungen und Verwirrungen kommt es dann doch zum Happy-End für die beiden.

Vertrauen – Quelle: nastya_gepp, Pixabay

Die Geschichte: Clara hat ihren Freund Ben bei einem tragischen Unfall verloren. Ben ist – vermutlich im Drogenrausch – vom Balkon gefallen. Clara tröstet sich damit, SMS-Nachrichten an die Handy-Nummer von Ben zu schicken. Was sie nicht weiß: Die Nummer von Ben wurde durch einen technischen Fehler neu vergeben. An Sven. Der erhält die sehr romantischen und traurigen SMS-Nachrichten von Clara. Anfangs will er sofort antworten, die Verwechslung aufklären und die Angelegenheit beenden.
Doch dann entscheidet er sich anders und will den Absender kennenlernen. Seine Suche ist erfolgreich. Er lernt Clara kennen und verliebt sich in sie. Er erzählt aber Clara nichts von den SMS-Nachrichten, die er von ihr (an Ben‘s Nummer) erhalten hat. Als er ihr die Wahrheit erzählen will, stellt er sich so plump an, dass Clara sich von ihm hintergangen fühlt. Sie meint, er hat ihr Vertrauen missbraucht. Sven will die Sache in Ordnung bringen und Clara um Verzeihung bitten. Er schreibt ihr eine SMS von der ehemaligen Nummer von Ben. Praktisch auf der letzten Seite des Romans finden die beiden wieder zusammen.

Meine Beurteilung:
Ben nannte Clara „Lilime“. Das wusste außer den beiden niemand. Sven erwähnt den Namen und es kommt zum Zerwürfnis (S. 227). Über 200 Seiten wird Sven als eine Person beschrieben, die sehr bedacht handelt. Dass er in einer so wichtigen Sache einfach so drauflos plaudert, das passt nicht.
Sven erwirb das Vertrauen von Clara. Er selbst spielt aber nicht mit offenen Karten. Auch als er sich wieder mit ihr versöhnen will, spielt er den „wissenden“ Beobachter. Clara ist wieder in der Position, dass sie von seinen taktischen Zügen abhängig ist.

Moralisch ist das Verhalten von Sven nicht hinnehmbar.
Vertrauen funktioniert nur auf Augenhöhe.

Sven ist immer einen Zug voraus und kann mit den Entscheidungen von Clara spielen. Das macht ihn eigentlich zu einem eher fiesen Charakter.

Das Buch eignet sich als negatives Beispiel für gelebtes Vertrauen. Bis zur letzten Zeile schenkt Clara Vertrauen. Sven ist Lichtjahre entfernt von einem solchen Wesenszug.
Der letzte Satz im Roman will nahelegen, dass es so etwas wie ein Schicksal gibt. „Vielleicht war es ja gar kein Zufall.“ (S. 239) Clara will damit auch noch die letzten Zweifel an das Verhalten von Sven tilgen. In der Rückschau hilft das dem Leser wenig. Sven hat – einfach gesprochen – verantwortungslos gehandelt. Fazit: Eine geeignete Geschichte, um zu zeigen, was Vertrauen und Verantwortung NICHT sind.

tmd.