Tanz der Tiefseequalle

Mobbing – Quelle: tdesigns, Pixabay

Das Thema Mobbing und Außenseiter ist ein zentrales Thema im Ethikunterricht der 6. und 7. Klasse. Es ist ein Glücksfall, dass immer mehr Kinderbuchautoren die beiden Themen aufgreifen und spannend umsetzen. Auf die Textschnipsel und die dümmlichen Fallgeschichten der Lehrbücher kann man deshalb leicht verzichten.

Mit Tanz der Tiefseequalle hat Stefanie Höfler eine Geschichte vorgelegt, die punktgenau in den Lehrplan (G8) in Bayern passt. Die Strukturen und die Methoden von Mobbing werden beschrieben. Die Geschichte ist glaubwürdig und absolut in der Welt der SuS. Sehr wichtig ist: Stefanie Höfler legt die informellen Strukturen einer Gruppe (hier einer Klasse) offen. Die Außendarstellung einer Klasse – und nur die sieht der Lehrer/die Lehrerin – ist nun mal etwas anderes als die informellen Strukturen.

Beispiel: Als die Ereignisse im Ferienlager eskalieren, versucht die Lehrerin die Lage in den Griff zu bekommen. „Die hält wahrscheinlich drinnen gerade eine extralage Standpauke zum Thema Mobbing und andere in Ruhe lassen, Respekt und Toleranz, das ganze Blabla.“ (S. 63)

Dieses Blabla ist es, das die SuS langweilt und nervt im Unterricht. Die Gründe sind naheliegend. Es soll psychologisches und soziologisches Wissen angesammelt werden, das später in die Leistungsbewertung einfließt. Ziel ist also die Leistungsbewertung und nicht das Sammeln von Expertenwissen, um das Zusammenleben in einer Gruppe zu erleichtern.

Zurück zur Geschichte. Es geht um Nico und Sera. Er ist übergewichtig. Sie ist ein bildhübsches Mädchen. Er wird gemobbt, sie gerät in den Fokus der Mobber. Die Mobber sind allesamt Waschlappen. Unterstützung finden die beiden – wie so oft – bei Typen, die ebenfalls Außenseiter sind oder mittelschwer durchgeknallt.

„Ich bin auch nicht der Einzige“, sagt Lenni. „Gibt noch ein paar mehr Leute, die auf eurer Seite sind.“ Auf eurer Seite, sagt er. (S. 180)

Die Geschichte ist jeweils aus der Perspektive von Nico und Sera erzählt. Seine Sprache ist episch. Sera kommuniziert eher im Telegrammstil.
Im letzten Kapitel kommen beide absatzweise zu Wort.

tmd.

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