Transidentität

Ein Thema ist in der Kategorie Jugendbuch angekommen: die Transidentität. Lisa Williamsons Geschichte „Zusammen werden wir leuchten“ und „George“ von Alex Gino sind nur der Auftakt gewesen. Jetzt hat die Wochenzeitung DIE ZEIT nachgelegt mit einem Bericht über transidente Kinder: „Das ist kein Spleen“, Nr. 47, 10. November 2016.

Im Schulunterricht könnten wir es – das Thema – finden, in Biologie. Unverzichtbar ist Transidentität jedoch im Fach Ethik. Im Moralunterricht gehört es zum Thema Erwachsenwerden. An bayerischen Gymnasien ist das der Fall in der 7. Klasse. Dort findet man aber bisher nichts zum Themenkomplex LGBT (Lesbian, Gay, bisexuel, Transgender).

Intersexualität
Gleich oder unterschiedlich – Quelle johnhain, Pixabay

Dort, wo sich Anknüpfungspunkte böten, werden sie nicht genutzt. Gemeint ist das Tagebuch der Anne Frank mit den entsprechenden Eintragungen vom 6. Januar 44 ff. Die Zahl der Kinder, die sich im eigenen Körper nicht zuhause fühlen nimmt zu, schreibt Martin Spiewak in DIE ZEIT. Mehr Mädchen als Jungs sind betroffen. Die Fachärzte nehmen die Sorgen und Wünsche ihrer jungen Patienten ernst. Problematisch ist die Umwelt der Kinder: die Gleichaltrigen, die Eltern, die Lehrer. Sie brauchen meist genau soviel Hilfestellung wie die betroffenen Kinder.

Warum ist das ein Thema für den Moralunterricht? Weil hier nach Meinung der Methodologen der geeignete Ort sein soll, um Empathie zu üben. Mitgefühl mit Mädchen, die eigentlich lieber Jungs sein wollen und umgekehrt.
Es geht hier aber nicht um einen spaßigen Kleiderwechsel nach dem Motto, wie fühlt man sich als Junge im Minirock. So stellen sich das die Methodologen wohl vor. Es ist aber kein gespielter Rollentausch, in dem Kinder sich die Vorteile des anderen Geschlechts herauspicken und genießen.

Es geht darum, dass der Aufbau einer eigenen Identität für transidente Kinder ein Höllentrip ist. Sie sollen sich eine entsprechende Rolle (als Mann oder Frau) aneignen. Das ist unter normalen Umständen schon für viele Jungs ein hoch riskantes Pokerspiel mit schlechten Karten auf der Hand. Es ist aber außerdem ein Wettlauf mit der Zeit, wenn es um eine Rolle geht, die sie einerseits zutiefst ablehnen, in die sie andererseits aber ohne medizinische Hilfe naturnotwendig „hineinwachsen“.

Mitgefühl für diese Kinder wird nur erzeugt durch Erklärungen, Gespräche, Aufklärung. Mitgefühl kann aber auch ganz pragmatisch so aussehen, wie es der ZEIT-Autor erzählt. Die Mitschüler akzeptieren in einem Fall den radikalen Rollenwechsel und – die Angelegenheit ist kein Aufreger mehr.

tmd.

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