Vermintes Gelände – Islam im Ethikunterricht

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Ist der Islam fähig zur Aufklärung? – Quelle: Ramdlon, Pixabay

Menschenbild und Moral wird dann zum Problem im Ethikunterricht, wenn es um Religion geht. Insbesondere wenn es um den Islam geht. Die Beschäftigung mit den religiösen Vorstellungen vom Menschen ist immer auch mit Kritik an diesen Bildern verbunden. Während die Kritik an soziologisch, psychologisch oder philosophisch geprägten Weltbildern dem wissenschaftlichen Diskurs dient und ihn voranbringt, ist das bei religiös geprägten Weltbildern und hier insbesondere dem islamischen Weltbild sehr viel komplizierter.
Es gibt Fundamentalisten im Islam, die jegliche Kritik ablehnen. Kritik ist für diese Gläubigen gleichzusetzen mit Gotteslästerung. Die Ablehnung jeglicher Kritik beginnt schon damit, dass der Dialog mit Kritikern, die nicht in der Lage sind, den Koran im Original zu lesen, grundsätzlich abgelehnt wird. Meine eigene Erfahrung.
Es gibt aber auch kritisch aufgeklärte Gläubige in allen drei Buchreligionen. Das Christentum hat sogar aus den eigenen Reihen Kritiker hervorgebracht und muss mit Kritik leben. Gläubige Islamkritiker, die ihre Religion reformieren wollen, haben es schwer. Kernpunkt der Reformer und Kritiker im Islam ist, dass erstens die Person des Propheten kritisch untersucht werden soll und zweitens, dass der Koran nur noch als historischer Text behandelt wird und nicht Gottes Original-Sprech ist.
Beides geht nach Meinung der Fundamentalisten und Traditionalisten gar nicht.
Wenn aber diese Kritik nicht erlaubt ist, kann das Menschenbild im Islam nicht ohne Verluste untersucht werden.
Zwei Beispiele:
Es ist in der kritischen Islamwissenschaft kein Aufreger mehr, wenn klargestellt wird, dass auf einen islamistischen Terroristen im Paradies nicht Jungfrauen warten, sondern nur weiße Trauben. Es ist schlicht ein Übersetzungsfehler. Ein Fundamentalist wird das nicht akzeptieren. Denn damit wäre das Tor offen für weitere Kritik. Der Koran ist eben nicht in einem Stück im Hocharabischen geschrieben worden. Er ist wahrscheinlich nicht mal zu Lebenszeit des Propheten geschrieben worden.
Die Person des Propheten ist zuletzt vom Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad untersucht und entzaubert worden. Es gibt Islamwissenschaftler, die sogar die historische Figur Mohammed bezweifelt (Volker Popp). Das allerdings ist im Islam undenkbar.
Beide Themen müssen freilich in Bezug zum Menschenbild gesetzt werden. Schließlich beschreibt Mohammed die Erkenntnisfähigkeit des Menschen. Hier ist auch anzumerken, dass der Prophet im Koran an keiner Stelle als Autor genannt wird und überhaupt erst 200 Jahre nach seinem Tod als Autor bezeichnet wird.
Geht es dann um Moral, ist die Angelegenheit noch komplizierter. Ein kritikunfähiger Islam ist nicht in der offenen pluralistischen Gesellschaft einzupassen. Zwar gibt es im Islam auch so etwas wie die Goldene Regel. Das gibt es in allen Religionen. Aber es gibt eben auch die Scharia und die Hadithen. Überlieferte Regeln, die in ihrem historischen Hintergrund gesehen werden müssen, sind das. Und es muss akzeptiert werden, dass diese Regeln nicht mehr angewendet werden dürfen. Wir haben das BGB und das StGB. Wir brauchen keine Scharia, die durch die Hintertür importiert wird.
Insgesamt ist also die Beschäftigung mit dem Islam im Ethikunterricht ein vermintes Feld.

tmd.

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