Verstehen

Telefonzelle
„Verstehst du mich?“ – Quelle: Freephotocc, Pixabay

„Verstehst du mich?“ Diese häufig gestellte Frage meint nicht das sprachliche Verstehen. Es geht nicht darum, eine Information weiterzugeben. Vielmehr ist damit gemeint, dass der Frager sich vergewissern will, dass der/die andere Person sich vorstellen kann, wie der Fragende die Situation wahrnimmt – interpretiert.
Diese Überlegungen sind nur vordergründig trivial. Sie sind vielmehr erkenntnistheoretisch hoch komplex.
Soziologen tun sich bei der Beantwortung der Frage, ob man sich in eine andere Person „hinein versetzen“ kann, leicht. Kommunikation ist „intersubjektiv“. Das heißt: Sie ist reziprok und reflexiv, also wechselseitig und rückbezüglich. Merksatz dazu: „Ich nehme an, dass du die Situation genauso siehst wie ich und auch weißt, dass ich das weiß.“
Das heißt nun aber nicht, dass man sich in einen anderen hinein versetzen kann, dessen Perspektive einnehmen kann.
Die Unmöglichkeit, die Perspektive einer anderen Person einzunehmen, ist moralisch folgenreich. Wie soll ich moralisch handeln in Bezug auf andere Menschen, wenn ich prinzipiell nur Regeln entwerfen kann, die sich auf meine Perspektive beziehen?.
Bereits die „goldene Regel“ scheitert hierbei, universelle Regeln aufzustellen. Denn es sind sehr subjektive Regeln nach dem „wenn – dann“-Muster. Immanuel Kant löst das Problem zwar vernünftig, aber eben nur intersubjektiv. Mitleid, Liebe und Zuneigung haben hier keinen Platz, sind aber unerlässlich im Zusammenleben der Menschen.
Ein philosophisch haltbarer Vorschlag wäre: Solange Liebe, Mitleid und Zuneigung funktionieren, funktioniert das auch mit dem Satz, dass der Mensch immer Zweck ist, nie Mittel. Erst dann, wenn es hier zu Kollisionen kommt, ist dringend geraten, den kritischen Verstand einzuschalten.

tmd.

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