Vertrauen ist ein Geschenk – man soll es nicht als Werkzeug einsetzen

Ältere Berufsleser werden mal wieder erstaunt sein, dass in diesem Blog ein Buch wie „SMS für dich“ von Sofie Cramer als Anlass genommen wird, um über VERTRAUEN zu schreiben. Aber die SuS – mittlerweile auch die aus der Unterstufe – lesen das, bzw. wünschen sich das Buch als Lektüre. Also liest der Blog-Autor das Buch auch „pflichtgemäß“ (Immanuel Kant) und ab Seite 20 sogar mit Spannung.

In dieser überaus romantischen Geschichte geht es – natürlich – um Liebe, aber auch um Vertrauen. Das Ungewöhnliche an der Geschichte ist aber, dass hier jemand zum „Vertrauten“ gemacht wird, zu einer Person, der etwas anvertraut wird, die das nicht will und auch – anfangs zumindest – grundsätzlich ablehnt. Und: Hier schenkt jemand Vertrauen, der eigentlich nicht weiß, wem er hier vertraut.

Vertrauen
Vertrauen – Quelle: neoloky, Pixabay

Wer das Buch kennt, weiß, worum es geht. Wer es nicht kennt, dem sollen hier nicht Freude und Spannung am Lesen verdorben werden. Wer das Buch unter moralischen Gesichtspunkten liest, der bleibt in der Tat etwas ratlos – am Ende der Geschichte.

Darf ich das Vertrauen eines Menschen ausnutzen in dem Sinne, dass ich seine Absichten, Gefühle und Pläne kenne, er aber nichts davon weiß, dass ich sie kenne? Darf ich mit diesem Menschen Kontakt haben und mein Wissen nutzen, ohne dass er weiß, was ich über ihn weiß?

Eigentlich ist das in höchstem Maße unfair. Moralisch ist das nicht hinnehmbar.

Vertrauen ist ein Wert, der nicht als Werkzeug genutzt werden soll, um Erfolg zu haben.

Aber wie ist die Wirklichkeit? Der Roman von Sofie Cramer ist hier nahe dran an der Wirklichkeit. Und das ist nicht nur so, weil sonst die Geschichte schon nach Seite 20 (hier beginnt der Spannungsbogen) zu Ende gewesen wäre. Wenn es um Liebe geht, dann kommt moralisches Handeln schnell an die Grenzen der Schulweisheit.

Dennoch: Die Leser von Blog und Buch (SMS für dich) sollten darüber nachdenken, ob Sven – das ist der, dem Vertrauen geschenkt wird – wirklich alles richtig gemacht hat. Und die Leserinnen von Blog und Buch sollten sich fragen, ob sie sich genauso wie Clara (das ist die, die Vertrauen schenkt) verhalten hätten.

tmd.

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