Wahrheit und Rechtfertigung

Mund der Wahrheit
Mund der Wahrheit – Quelle: alefolsom, Pixabay

Auf der Suche nach Wahrheit und Wirklichkeit sind in der Ethik als Moralwissenschaft die Begriffe empirisch und epistemisch folgendermaßen präzisiert worden.

Empirische Wahrheit ist grundsätzlich eine Sache der Wahrnehmung und Erfahrung. Man sieht (entdeckt) etwas und kann sich sagen: Das ist es oder da ist etwas, z. B. ein Baum. Auf diese Weise – sagen die Empiriker – kann man alles, was es in der Welt gibt, sehen und entdecken. Eine Eigenleistung ist dabei nur das Hinsehen. Man schaut aber nicht irgendwo hin, weil man meint, etwas bestimmtes zu entdecken, sondern die Welt ist so bunt und reichhaltig an Ereignissen und Objekten, irgendetwas sieht man immer.

Was man also bei seiner Rundumsicht in der bunten Welt alles sieht, braucht keinerlei Rechtfertigung, denn es ist doch schon vorhanden. Es ist also wahr. „Schau doch hin!“, kann man sagen. Aber man muss nicht hinschauen. Das führt dazu, dass viele Menschen nicht hinschauen und etwas nicht sehen (entdecken), was es in Wirklichkeit gibt. Die Anderen schauen nicht hin und sagen vielleicht sogar, dass es das, was man gesehen und entdeckt hat, nicht gibt. Kein Problem! Es ist dennoch vorhanden und empirisch wahr. Es ist ja schließlich schon entdeckt worden. Die empirische Wahrheit ist also abhängig von einer objektiven Welt, bzw. von der Annahme, dass es eine solche gibt.

Die Korrespondenztheorie, über die im Zusammenhang mit Thomas von Aquin schon einiges geschrieben wurde im Blog, ist eine echte empirische Wahrheitstheorie. Über die Probleme ist auch schon berichtet worden. Man kann die Übereinstimmung von empirischer Wahrnehmung und Wirklichkeit nicht nachweisen.

Die epistemische Wahrheit ist grundsätzlich eine Sache der Erkenntnis. Bloßes Hinschauen reicht nicht. Man schaut hin und konstruiert eine Wahrnehmung. Man sieht z. B. Zusammenhänge, die objektiv nicht erfahrbar sind. Die Zusammenschau ist ist eine Leistung des Hinschauenden, sie ist subjektiv. Über das solchermaßen Erkannte kann man dann Aussagen machen und diese mit anderen Aussagen vergleichen: Passt es zusammen oder nicht. Das ist die Kohärenztheorie. Man kann aber auch mit anderen Menschen beschließen, dass epistemisch erkannte ist einfach wahr, weil viele andere das auch sagen. Das ist Konsenstheorie. Oder man sagt: Das ist doch unmittelbar einsichtig. Das ist die Evidenztheorie. In jedem Fall will man das Erkannte (z.b. einen moralischen Wert) begründen.

Und hier ist das Problem bei der epistemischen Wahrheit. Man kann beispielsweise ökologische Maßnahmen rechtfertigen. Aber sind sie deshalb auch wahr, insbesondere für diejenigen, die eine Wahrheit noch nicht erkannt haben? Und ein Empiriker würde zudem fragen: „Gibt es das überhaupt?“ Ethisch argumentieren und urteilen muss diese Ausgangslage berücksichtigen. Das muss kein Nachteil sein. Moral ist Menschenwerk. Also untersuchen wir es mit entsprechenden Methoden (auch von Menschen entwickelt). Nichts anderes ist ethisch urteilen und ethisch argumentieren.

tmd.

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