Wann ist der Mensch ein Mensch?

Medizinethik beschäftigt sich einerseits mit grundsätzlichen existentiellen Fragen des Lebens, andererseits mit der sozialen und kommunikativen Verarbeitung genau dieser Probleme.

Bunte Flaschen und Reagenzgläser
Medizinethik, eine bunte Vielfalt? – Quelle: domeckpol, Pixabay

Der erste Punkt ist quantitativ der größere, aber relativ unspektakulär zu referieren. Hier geht es unter anderem um: Stammzellforschung, Pränatale Diagnostik, Abtreibung, Organspende, Sterbehilfe. Das sind die großen Überschriften. Ihnen folgen die Geschichten über künstlich oder im Reagenzglas erzeugte Menschen oder Körperteile, (Horror-) Visionen über Designerbabys, das Ende von Erbkrankheiten und das selbstbestimmte Sterben. Darüber lassen sich viele Reportagen schreiben und verfilmen. Information sieht meist anders aus, ist aber als ausgewogenes Pro und Contra medial schlecht zu verkaufen.

Der zweite Punkt leuchtet uns medial nur entgegen, wenn über Ethikräte berichtet wird oder das Verhältnis von Arzt/Pfleger/Angehöriger und betroffener Patient. Bei letzterem Punkt gibt es lernbares und reproduzierbares Prüfungswissen in Form von strukturierter Entscheidungsfindung im Verhältnis von Arzt und Patient: (das sogenannte amerikanische Modell) und allgemeiner Entscheidungsfindung als Analyse der Situation, der Lösungsmöglichkeiten und des angestrebten Ziels. Moralische Probleme werden auf diese Weise in sichere Kommunikation verpackt. Die Diskussion um medizinmoralische Probleme wird damit in beherrschbare und vorhersehbare Bahnen gelenkt. Klartext: Die Diskussionen und ihre Ergebnisse sind ist diesem Fall vorprogrammiert. Man kann über die Sache kompetent reden, als Rollenspiel in der Schule und als Vorübung für die Realität in den Medien. Probleme werden damit nicht gelöst. Ethikräten wird nicht nur in den Medien mit Respekt und Hochachtung begegnet. Der Alltagsmensch soll ehrfürchtig zu ihnen aufschauen und deren Entscheidungen abnicken. Kant würde verzweifeln, würde er das hören und lesen. Sein aufgeklärter Bürger braucht niemanden zum Vordenken!

Kern der medizinethischen Überlegungen ist die Frage nach dem Begriff von Person oder: Wann ist der Mensch ein Mensch? Die Frage, was überhaupt Leben bedeutet, wird meist in der Bioethik abgehandelt. Dabei werden jedoch keine grundlegenden moralischen Fragen gelöst. Leben wird historisch und kulturell unterschiedlich definiert. Erkenntnistheoretisch ist das nur soweit ergiebig, als man feststellt, dass eben alles Menschenwerk ist. Die Konzepte habe ich im Beitrag zur Umweltethik erklärt.

Ähnlich ist es mit dem Punkt der Menschenwürde, die bei Medizinethik bemüht wird. Sie erzeugt ein nicht aufhebbares Spannungsverhältnis zwischen den Wünschen des betroffenen Menschen und seiner Umwelt/den Gesetzen, denen er zu folgen hat. Ethisches Argumentieren und Urteilen ist also nur sinnvoll, wenn Basis-Wissen über den Gegenstand vorhanden ist. In gesonderten, unregelmäßig veröffentlichten Beiträgen wird der Blog das in Stichworten anbieten.

tmd.

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