Warum soll ich moralisch handeln?

Fragezeichen
Warum? – Quelle: qimono, Pixabay

Warum soll ich moralisch handeln? Diese Frage war Thema der letzten beiden Beiträge. Der moralisch handelnde Mensch der Antike fühlte sich glücklich, wenn er das Gute anstrebte und sich dadurch als Person verwirklichte. Das Richtige zu tun braucht damit keine weitere Begründung. Man macht ja schließlich das Richtige.

Moral ist jedoch Menschenwerk. Ich kann also auch fragen, warum ich überhaupt Moral brauche in einer Gesellschaft. Es müssten doch Gesetze, Normen und Konventionen auch reichen. Beispiele dazu lernt man in der 10. Klasse anhand der Vertragstheoretiker. Damit sollen Freiheit, Gleichheit und Sicherheit der Bürger gewährleistet werden. Das funktioniert nicht ohne Verluste. Gerade die Freiheit und die Sicherheit vertragen sich nicht so recht. Die Freiheit und Sicherheit des Einzelnen zu schützen, ist eben auch eine moralische Angelegenheit.

Die Steuerhinterzieher aus dem letzten Beitrag könnten nun antworten: Warum sollen gerade wir moralisch handeln und auf die cum-ex Geschäfte verzichten? (Der Bundesfinanzminister hat das Steuerloch mittlerweile gestopft.) Es geht uns durch den Steuerbetrug doch besser?

Hier hilft Moral alleine nicht weiter. Man muss die Vernunft einsetzen. Man muss sich fragen, in welcher Art von Gesellschaft wir leben wollen und welchem Menschenbild wir folgen. Das ist natürlich eine Mehrheitsentscheidung und auch eine moralische Entscheidung. Derjenige, der hier nicht mitmachen will, der kann sich nicht auf Freiheiten berufen, die in der jeweiligen Gesellschaft und mit dem jeweiligen Menschenbild nicht enthalten sind. Sind wir also auf ewig gefangen in dem Netz von Moral einerseits und Normen und Gesetzen andererseits? Nur bedingt, denn Moral ist gemacht für und von Menschen. Nicht umgekehrt.

tmd.

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