Was ist eine Dilemma-Geschichte?

Eine Dilemma-Geschichte ist ein besonderes Gedankenexperiment. Manche Dilemma-Geschichten sind allerdings aus dem wirklichen Leben. Dazu aber später.

Bei einer Dilemma-Geschichte geht es darum, dass eine Person eine Entscheidung treffen muss. Sie muss sich dabei zwischen zwei Möglichkeiten entscheiden.

Hier ein wirkliches einfaches Beispiel: Dein Freund, deine Freundin hat die Hausaufgaben nicht gemacht. Er/sie will bei dir abschreiben. Abschreiben ist nicht erlaubt. Das ist die erste Regel. Dem Freund/der Freundin helfen, ist ein Gebot der Freundschaft. Das ist die zweite Regel.

Wegkreuzung
Crossroads – Quelle: stevepb, Pixabay

Jetzt musst du dich entscheiden: Sollst du dich an die Regeln der Schule halten oder an die ungeschriebene Regel der Freundschaft? Beide Entscheidungen sind zu rechtfertigen. Für beide gibt es eine Regel. Was du auch machst, immer verletzt du eine der beiden Regeln. Das ist das Dilemma. Die spezielle Aufgabe ist jedoch nicht allein, eine Entscheidung zu treffen. Es geht darum, die Entscheidung zu begründen.

Solche Dilemma-Geschichten sind den Geschichten mit den „Vorzugsregeln“ aus der Unterstufe im Ethikunterricht ähnlich. Diese sind nach dem gleichen Muster aufgebaut. Nur sind sie meist sehr simpel und naiv. Leider geben diese einfachen Beispiele mit den Vorzugsregeln die Möglichkeit einer zufriedenstellenden Lösung.

Auch hier ein einfaches Beispiel: Die Rasenfläche vor einem Haus darf nicht betreten werden. Da steht sogar ein Schild: Betreten verboten. Dann bricht im Haus plötzlich Feuer aus. Die Feuerwehr kommt und fährt über die Rasenfläche. Alles klar? Das war ein wirklich naives Beispiel.

Das Beispiel mit dem Abschreiben wird in machen Lehrbüchern leider entschärft, indem eine dritte Möglichkeit als Lösung genannt wird (die eigentlich keine ist). Da heißt es dann, Abschreiben lassen ist nicht gut für die Freundschaft, weil der Freund/die Freundin dann nichts lernt und eventuell das Klassenziel nicht erreicht. Das ist aber keine weitere Entscheidungsmöglichkeit, sondern eine Begründung für das „nicht-Abschreiben-lassen“. Genauso könnte ich auch eine Begründung liefern, dass „Abschreiben-lassen“ richtig ist.

Im wirklichen Leben gibt es Dilemma-Geschichten, die dann allerdings nicht im Gedankenexperiment gelöst werden können, sondern die eine echte Entscheidung verlangen.

Auch hier ein Beispiel: Derzeit wird viel über Sterbehilfe geredet. In Deutschland ist es verboten, dass Menschen auf eigenen Wunsch sterben können, wenn sie wegen einer unheilbaren Krankheit große Schmerzen erleiden müssen und wissen, dass sie sowieso bald sterben. Diese Menschen gehen, wenn sie es bezahlen können, in ein Land, wo Sterbehilfe erlaubt ist. Der Gesetzgeber in Deutschland hat hier eine strenge Entscheidung getroffen. Für die Menschen, die sterben wollen, ist das meist sehr schlimm. Diejenigen, die ihnen helfen, machen sich strafbar. Viele von denen, die schwer leiden, töten sich dann irgendwie selbst. Die Frage ist hier, wie begründe ich es, zu helfen oder nicht.

Dilemma-Geschichten sind in der 7.Klasse in Ethik wichtig. Hier wird erklärt, dass Menschen unterschiedlichen Alters bei Dilemma-Geschichten zwar ähnliche Entscheidungen treffen, aber diese unterschiedlich begründen. Herausgefunden hat das der US-amerikanische Psychologe Lawrence Kohlberg.

Sein Standard-Dilemma ist die Geschichte von HEINZ – hier vereinfacht wiedergegeben. Heinz hat eine kranke Frau. Sie wird sterben. Sie kann aber durch ein Medikament gerettet werden. Das ist jedoch sehr teuer. Heinz kann es nicht bezahlen. Soll er die Medizin stehlen? Wichtig waren Kohlberg die Begründungen für die jeweilige Entscheidung, nicht die Entscheidung selbst.

tmd.

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