Was Kant unter Aufklärung versteht

    • Kant beginnt – ähnlich wie Rousseau – mit der Grundannahme, dass der Mensch von Natur aus frei sei. Diese Freiheit gebrauche der Mensch jedoch nicht. Er lebt gerne in Unfreiheit, in Unmündigkeit. Unmündig ist der Mensch, weil er sich nicht seines Verstandes bediene ohne Anleitung. Niemand hindert den Menschen daran, sich des eigenen Verstandes zu bedienen, nur er selbst. Kant schlussfolgert: Die Unmündigkeit, die Unfreiheit ist selbst verschuldet.
Faul auf der Wiese liegen
Faulheit – Quelle: Peggy_Marco, Pixabay
  • Als Grund, warum die Menschen so gerne unfrei bleiben wollen, nennt Kant die Faulheit und die Feigheit. Die Menschen sind also zu faul, um selbst zu denken. Das sollen andere übernehmen.
  • Was also tun? Kant sieht, dass der Einzelne sich schwer tut mit dem selber denken. Mit anderen zusammen geht das besser. Hier beginnt Kants Beitrag zu den Vertragstheorien, zur Vergesellschaftung. Kant will gesellschaftliche Verhältnisse herstellen, in denen es grundsätzlich erlaubt ist als freier Bürger öffentlich seine Meinung zu sagen. Er lehnt Revolutionen ab, die schaffen nur wieder neue – ggf. ähnliche Herrschaftsverhältnisse wie vor der Revolution. Deshalb sollen nicht neue Herrschaftsstrukturen geschaffen werden (Hobbes, Rousseau), sondern Freiheitsrechte: Das Recht, öffentlich zu kritisieren (bei Kant heißt das räsonieren).
  • Eine Einschränkung macht Kant an dieser Stelle. Wer in staatlichen Organisationen oder in Arbeitsverhältnissen mit Weisungsgebundenheit arbeitet, der soll nicht räsonieren, sondern seine Arbeit machen. Aber dennoch ist diesen Bürgern das öffentliche Kritisieren nicht verboten. Denn in der Öffentlichkeit können sie selbstverständlich ihre abweichende Meinung sagen.
  • Was bleibt unter diesen Bedingungen noch dem Monarchen, dem Staat zu tun? Welche Rechte und Pflichten hat der Staat? Hier die klare Ansage Kants: Der Staat soll dafür sorgen, dass die Bürger bei ihrem öffentlichen Kritisieren nicht behindert werden. Mehr noch: Der Staat soll sich aus den bürgerlichen Verhältnissen heraushalten und letztlich nur das machen, was die räsonierenden Bürger beschließen. Damit das funktioniert, braucht es allerdings einiges an juristischen Konstruktionen: Bürgerliches Recht, Strafrecht, Staatsrecht und Wirtschaftsrecht.
  • Kant ist Pessimist, wenn es um die Diagnose der aktuellen Gesellschaft seiner Zeit geht: Wir leben nicht in einem aufgeklärten Zeitalter, sagt er. Er ist aber auch Optimist: Es ist ein Zeitalter der Aufklärung. Er und seine Zeitgenossen sind also mittendrin in einem spannenden Prozess. Er sieht deutliche Anzeichen für eine Abnahme der Hindernisse der gesamtgesellschaftlichen Aufklärung.

tmd.

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