Wer rettet Klara?

Beim Texten des Beitrags: Was ist eine Dilemma-Geschichte, habe ich das Dossier der ZEIT vom 17. September 2016 vor mir gehabt. Wer rettet Klara?
Dort heißt es: „Angenommen, ein Kind ist todkrank und Sie haben das Medikament, das es retten könnte. Geben Sie ihm das Medikament? Dumme Frage. Natürlich.

Kranker Teddybär
Gedankenexperiment mit Krankheit – Quelle: condesign, Pixabay

Angenommen, ein Kind ist todkrank und Sie haben das Medikament. Angenommen, Sie wissen: Wenn die Rettung schief geht, darf niemand anderes mehr das Medikament bekommen. Zehn, vielleicht hundert Kranke, denen das Medikament helfen könnte, werden nicht behandelt werden, weil Sie versucht haben, das eine kranke Kind zu retten.

Was machen Sie? Geben Sie ihm das Medikament, oder lassen Sie es sterben, damit die vielen anderen eine Chance haben? Das ist ja ein absurdes Gedankenexperiment, denken Sie. So eine grausame Entscheidung muss niemand fällen. Irrtum. Das Gedankenexperiment ist gar nicht so weit von der Realität entfernt.“

Später heißt es dann: „Es geht beim Thema compassionate use immer auch um ein ethisches Dilemma: Was, wenn die sofortige Rettung eines Patienten die spätere Rettung vieler Patienten verhindert?“

Kompetenz setzt Wissen voraus! Deshalb empfehle ich, dieses Dossier zu lesen. Es ersetzt spielend die blutarmen und konstruiert wirkenden Fiktionen der Ethik-Lehrbücher.

tmd.

2 Gedanken zu „Wer rettet Klara?“

  1. Meiner Meinung nach wäre es sinnvoller ihr das besagte Medikament zu geben, da ich weiss, dass ein Leben ein Leben ist und dies nicht durch zukünftige Vermutungen ersetzt werden kann. Nur weil es sein kann, dass das Medikament dem Mädchen nicht helfen kann, heisst es noch lange nicht, dass man es nicht versuchen könne. Sollte es nicht helfen, hat man es wenigstens versucht. Nur weil die Medizin einmal nicht gewirkt hat, heisst es nicht, dass es nie mehr wirken wird.
    Obwohl es keine Richtige Lösung gibt, sagt mir mein Gewissen, dass dies die einzig logische Entscheidung ist.

    1. Hallo Saskia, hallo Mathilde,
      das ist ein gelungener Frontalangriff gewesen, den ihr hier gestartet habt. Die Nützlichkeitsüberlegungen – ihr nennt es zukünftige Vermutungen – sind ja grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen, aber in diesem Fall geht das moralisch gar nicht. Im Klartext ist das doch: ein Mensch ist weniger wert als andere. In anderen Dilemma-Fällen ist das offensichtlicher, als in diesem. Beispiel: der Bundeswehrpilot, der eine Passagiermaschine mit Terroristen an Bord zum Absturz bringt. Damit verhindert er, dass die Terroristen die Maschine in ein voll besetztes Fußballstadion steuern. Einige Hundert Passagiere werden geopfert für das Leben von vielleicht 40.000 Stadionbesucher. Der Gesetzgeber wollte das zulassen. Das oberste deutsche Gericht hat es untersagt. Die gesetzlichen Bestimmungen, die den „Fall Klara“ so brisant machen bedürfen einer Revision.
      Den Philosophen Kant hättet ihr mit eurer Kritik auf eurer Seite.
      tmd.

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