Wie lange wollen wir das noch ertragen? – Rollenspiele der besonderen Art

In einem Ethikbuch habe ich zum Thema Jugendliche Gegenwelten und Sinnsuche einen Textausschnitt von Mariah Fredericks „Alles nur ein Spiel“ gefunden.

Es geht in dem Text um ein typisches Rollenspiel im Internet. Dort dürfen die Spieler so ungefähr alles machen, was im richtigen Leben verboten ist. Aber was im Textausschnitt erzählt wird, ist doch eher harmlos. Wer die Diskussionen zu solchen Spielen verfolgt, merkt sehr schnell, dass die Spieler heftig ihr unmoralisches Verhalten im Spiel verteidigen.
Von all diesen Begründungen, die ich gefunden habe, dass es in Rollenspielen erlaubt sein soll zu quälen, zu foltern, zu töten usw., ist diese die wohl interessanteste. Rollenspiele widerspiegeln das richtige Leben.

Computer Spiel
Faszination Computerspiel – Quelle: Tomasz_Mikolajczyk, Pixabay

Wer so etwas von sich gibt, der hat den Grundkurs in Philosophie verschlafen oder hält den naturalistischen Fehlschluss für eine Umweltkatastrophe.

Kohorten von Moral- und Religionslehrern versuchen tagein tagaus, Kindern Empathie nahezubringen. Deutschlehrer und Deutschlehrerinnen versuchen durch geeignete Texte, auf den Begriff Mitgefühl aufmerksam zu machen. Und dann kommt eine Meldung wie diese: Führt euch beim Rollenspiel auf wie die Schweine, denn das wirkliche Leben ist genauso.
Empirisch ist das nicht haltbar. Es gibt immer wieder Menschen, und das ist die Mehrheit, die Mitgefühl „leben“. Sie sind es, die die Welt, so wie sie ist, überhaupt erst erträglich machen. Diese Menschen haben eben keinerlei Freude daran, andere zu quälen, zu foltern und zu morden. Die Vertreter der brutalen Rollenspiele argumentieren aber so: Die Mitspieler wollen ihren Spaß und Freude an der Sache haben.

Wie krank muss man sein, um so etwas zu akzeptieren?

Ich habe hier keine Zitate verwendet, weil ich die „Kampflust“ der Rollenspieler kenne. Hat niemand von denen, die solche Rollenspiele gutheißen, Friedrich Schiller „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ gelesen? Polemisch formuliert: Können die noch lesen?
„Ihre Maximen wirst du umsonst bestürmen, ihre Thaten umsonst verdammen, aber an ihrem Müssiggange kannst du deine bildende Hand versuchen. Verjage die Willkühr, die Frivolität, die Rohigkeit aus ihren Vergnügungen, so wirst du sie unvermerkt auch aus ihren Handlungen, endlich aus ihren Gesinnungen verbannen. Wo du sie findest, umgieb sie mit edeln, mit großen, mit geistreichen Formen, schließe sie ringsum mit den Symbolen der Vortrefflichkeit ein, bis der Schein die Wirklichkeit und die Kunst die Natur überwindet.“ (Neunter Brief)

Moralisch handeln meint: Den Menschen als Zweck zu sehen. So wie es Kant gemeint hat. Menschen, die andere erniedrigen und an die Wand stellen, sind nicht aufgeklärt. Es sind kleine Geister, über die Psychologen nur noch lachen können, weil sie die Idealform einer kranken Persönlichkeit sind. Die kann man teuer therapieren, zu Lasten der Gemeinschaft, die es bezahlen muss. Wie lange will es sich eine moralische Gesellschaft noch zumuten, das zu ertragen?

tmd.

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