Wir alle spielen Theater – Teil 2

Me - you - we
Die anderen und ich – Quelle: geralt, Pixabay

Soziale Interaktion: Ich und die anderen.
Leistungen und Erwartungen sind also wechselseitig und sind gebündelt, solange sie sich nicht widersprechen. Es lässt sich jedoch nicht vermeiden, dass ich unterschiedliche Rollen übernehme oder übernehmen muss, die sich sehr wohl widersprechen können. Daraus entstehen dann die sogenannten Spannungsfelder von Rollen. Das sind die „intrapersonalen“ Konflikte. Sie äußern sich letztlich in Dilemma-Situationen und einem schlechten Gewissen, was wiederum zu Normenkollisionen führt und letztlich im Gewissensmissbrauch enden kann.

Soll ich, kann ich, darf ich einem Menschen helfen, mit dem ich befreundet bin, der aber straffällig geworden ist und ich auf der Seite der Strafverfolgung arbeite?

Soziale Interaktion: Ich mit mir selbst.
Erwartungen, die ich an mich selbst richte, muss ich auch selbst mit Leistung bedienen. Dass es sich hier um Erwartungen handelt, die mir anerzogen wurden, weiß ich zwar, aber (siehe Freud und das Gewissen) ich habe die Erwartungen internalisiert (in mich eingepflanzt).
Mittels dieser internalisierten Erwartungen baue ich mir eine eigene Identität. Ich bin das, wozu andere mich gemacht haben, aber auch das, wozu ich mich selbst erfunden habe.

Überwiegt bei diesem Identität bildenden Prozess meine eigene Aktivität, dann habe ich unter Umständen eine stabile Persönlichkeit. Überwiegt dagegen die passive Anpassung, dann leide ich unter meiner anerzogenen Identität.

Die Folgen eines anerzogenen Rollensets sind fehlende soziale Kompetenz und schwere psychische Schäden. Bekanntestes Beispiel ist die leere Persönlichkeit, der Narzist. Narzissmus ist hier nicht die mythologische Selbstliebe, sondern das krankhafte Festhalten an antrainierten Rollenmustern. Diese antrainierten Rollenmuster sind (bildlich) die Hülle für eine ansonsten leere Identität. Eine Veränderung der Rollenmuster stellt für einen Narzisten eine Katastrophe dar, weil er seine Ich-Identität in Gefahr sieht. Er löst sich buchstäblich auf. Er kann aus sich heraus keine neuen Rollen aufbauen.

Wer dagegen seine Ich-Identität aktiv selbst gestaltet hat, kann auch Veränderungen vornehmen. Identitätsbildung ist also aktives Rollenmanagement und Rollen-building.

tmd.

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